21 December 2025, 02:51

"Salome" von Evgeny Titov: Ubiquitäres Verlangen

Ein Gemälde, das ein paar tanzende Menschen mit Noten oben zeigt.

"Salome" von Evgeny Titov: Ubiquitäres Verlangen

"Salome" von Evgeny Titov: Allgegenwärtiges Begehren

Was tun mit einem Skandalwerk von vor 100 Jahren, wenn der Skandal verflogen ist? An der Komischen Oper Berlin präsentiert Evgeny Titov eine neue Interpretation von Richard Strauss’ „Salome“ – gesangsfreundlich inszeniert.

Die Komische Oper Berlin bringt am 22. November 2025 eine mutige Neuinszenierung von Salome auf die Bühne. Unter der Regie von Evgeny Titov wird die Produktion bis zum 3. Januar 2026 im Schillertheater zu sehen sein und bietet einen frischen Blick auf Richard Strauss’ einst verbotene Oper.

Strauss’ Salome löste bei ihrer Uraufführung um 1900 einen Eklat aus. Zunächst an der Wiener Hofoper verboten, erlangte das Werk später Berühmtheit für sein packendes Drama und seine kraftvolle Musik. Selbst in Berlin sahen sich frühe Aufführungen Einschränkungen ausgesetzt – darunter die Auflage, am Schluss den Stern von Bethlehem zu zeigen.

Titovs Version setzt auf eine düstere BDSM-Party-Ästhetik, die jedoch an entscheidenden Stellen verblasst und der Inszenierung eine gewisse Uneinheitlichkeit verleiht. Das Bühnenbild von Rufus Didwiszus besteht aus einem kargen, matt-goldenen Gewölbe, das einen markanten visuellen Kontrast schafft. Nicole Chevalier übernimmt die Titelrolle und liefert trotz der Einschränkungen ihres Kostüms eine starke Darstellung ab. Doch Titovs Choreografie von Salomes Tanz – mit mehreren maskierten, identischen Tänzerinnen – schwächt ihre Handlungsmacht und untergräbt damit die Entschlossenheit der Figur. Das Begehren dominiert die Produktion, während die Charaktere aneinanderklammern, nur um zurückgewiesen zu werden. Matthias Wohlbrechts Herod sticht heraus, dessen scharfe, durchdringende Stimme die Angst und Bedrohlichkeit des Herrschers verstärkt. Trotz einiger Schwächen bleibt die Interpretation der Komischen Oper eine fesselnde und reflektierte Neuauflage des umstrittenen Klassikers.

Der einstige Skandal um die Oper ist längst verhallt, doch ihre dramatische Wucht und die Musik halten sie bis heute relevant. Titovs Inszenierung, so ehrgeizig sie auch ist, kämpft mit der Konsequenz ihrer kühnen stilistischen Entscheidungen. Das Publikum kann sich ab spät 2025 selbst ein Urteil bilden.