Niedersachsen übertrifft eigenen Strombedarf mit 102 Prozent Ökostrom
Elsa JunckMinister fordert erschwingliche Ladeleistung während erneuerbarer Energiefülle - Niedersachsen übertrifft eigenen Strombedarf mit 102 Prozent Ökostrom
Niedersachsen setzt neue Maßstäbe bei Erneuerbaren – und erzeugt mehr Ökostrom als es verbraucht
Niedersachsen hat im Bereich der erneuerbaren Energien einen neuen Rekord aufgestellt: Das Bundesland produziert mittlerweile mehr grünen Strom, als es selbst benötigt. Umweltminister Christian Meyer (Grüne) kritisierte andere Regionen scharf, weil diese weiterhin auf fossile Reservekraftwerke setzen – eine Situation, die er als „nicht hinnehmbar“ bezeichnete. Als Lösung schlägt er vor, die Ladekosten für Elektroautos zu senken, wenn ein Überschuss an Ökostrom anfällt.
Allein in diesem Jahr gingen in Niedersachsen 127 neue Windräder ans Netz, die zusammen eine Leistung von 703 Megawatt bereitstellen. Erneuerbare Energien decken damit bereits 102 Prozent des Bruttostrombedarfs des Landes – ein Wert, der deutlich über dem Bundesschnitt von 54 Prozent liegt. Meyer führt diesen Erfolg auf den konsequenten Ausbau zurück: An 95 Prozent der Tage im Jahr stehe mehr Wind- oder Solarstrom zur Verfügung, als tatsächlich benötigt werde.
Während Niedersachsen auf fossile Reserven verzichtet, planen andere Bundesländer weiterhin Gaskraftwerke als Backup für Phasen mit wenig Wind und schwacher Sonneneinstrahlung – die sogenannten „Dunkelflauten“. Meyer hält solche Maßnahmen für überflüssig, wenn Wind- und Solarenergie richtig ausgebaut würden. Als negatives Beispiel nannte er Bayern unter Ministerpräsident Markus Söder (CSU), wo Verzögerungen beim Windkraftausbau zu höheren Umlagen auf Ökostrom und teuren Gasimporten geführt hätten. Um Überschussenergie besser zu nutzen, regt Meyer an, die Strompreise für Elektroautos in Zeiten hoher Ökostromproduktion zu reduzieren. Besonders in windreichen Regionen wie Ostfriesland könnten Autofahrer so von günstigeren Tarifen profitieren, wenn das Netz mit grünem Strom überlastet sei.
Niedersachsens Modell kommt komplett ohne fossile Reserve aus und setzt stattdessen auf die Nutzung von Überschussenergie. Sollten sich die Pläne für günstigeres Laden durchsetzen, könnte das Konzept auch bundesweit Schule machen. Meyers Kritik unterstreicht jedoch die wachsende Kluft zwischen Vorreitern wie Niedersachsen und jenen Bundesländern, die weiterhin auf Gas setzen.