Maurizio Cattelan erhält den Preis der Nationalgalerie – und bricht mit der Tradition
Elsa JunckMaurizio Cattelan erhält den Preis der Nationalgalerie – und bricht mit der Tradition
Der Preis der Nationalgalerie Berlin 2026 geht an Maurizio Cattelan, einen weltweit anerkannten Künstler mit engen Verbindungen zum internationalen Kunstmarkt. Diese Wahl stellt einen Bruch mit der ursprünglichen Ausrichtung des Preises dar, der bisher vor allem jüngere, aufstrebende Talente unter 40 fördern sollte. Die Entscheidung löst Diskussionen aus – besonders vor dem Hintergrund flächendeckender Kürzungen im Kulturbereich in ganz Deutschland.
Der Preis der Nationalgalerie wurde einst ins Leben gerufen, um junge, in Deutschland tätige Künstler:innen zu würdigen, wobei die Preisträger:innen alle zwei Jahre ausgewählt wurden. Zu den früheren Gewinner:innen zählen Anne Imhof (2015), Cyprien Gaillard (2011) und Monica Bonvicini (2005). 2024 brach der Preis bereits mit der Tradition, indem erstmals mehrere Künstler:innen gleichzeitig ausgezeichnet wurden – ein Schritt weg vom Wettbewerbsgedanken.
Die diesjährige Wahl Cattelans markiert nun eine weitere Neuausrichtung. Anders als frühere Preisträger:innen ist er eine etablierte Größe, deren Werk die Kunstwelt seit Langem prägt. Seine Verbindung zu Berlin reicht bis 2006 zurück, als er die Berlin Biennale mitkuratierte. Die anstehende Einzelausstellung in der Neuen Nationalgalerie wird seine einflussreichen Arbeiten in neuem Licht präsentieren. Die überarbeiteten Kriterien des Preises legen nun den Fokus auf Künstler:innen, deren Schaffen Berlin geprägt hat und die zugleich internationale Strahlkraft besitzen. Dennoch wirft die Auszeichnung Cattelans – statt eines Nachwuchstalents – Fragen auf, insbesondere angesichts der anhaltenden Kürzungen im Kulturbereich.
Cattelans Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie wird seinen Einfluss auf die zeitgenössische Kunst unter Beweis stellen. Die Neuausrichtung des Preises auf etablierte, global agierende Künstler:innen könnte für künftige Vergaben richtungsweisend sein. Gleichzeitig fällt die Entscheidung in eine Phase, in der Berlins Kulturszene mit schrumpfenden Budgets und sich wandelnden Prioritäten konfrontiert ist.