13 December 2025, 04:47

Grüne setzen auf Wehrpflicht und Klimaprämien – Özdemirs pragmatischer Kurs vor der Wahl

Ein cremefarbenes Gebäude mit zahlreichen Fenstern, das an ein Backsteingebäude mit einer Metallbalustrade angrenzt, mit mehreren geparkten Fahrrädern und Menschen, die davor diskutieren.

Grüne setzen auf Wehrpflicht und Klimaprämien – Özdemirs pragmatischer Kurs vor der Wahl

Neue emotionale Heimat für Stahlöfen und andere

Die Grünen fordern sozialen Klimaschutz und Wehrpflicht auf ihrem Parteitag – und feiern Cem Özdemir vor der Wahl in Baden-Württemberg

  1. November 2025, 09:59 Uhr

Die Grünen haben sich in Hannover versammelt, um ihr Image zu überarbeiten und vor den Landtagswahlen des kommenden Jahres zentrale politische Weichen zu stellen. Die Partei will sich als pragmatische und integrative Kraft präsentieren, die Klimaziele mit wirtschaftlicher Zusammenarbeit und Reformen in der Verteidigungspolitik in Einklang bringt.

Auf dem Parteitag setzten sich die Spitzenvertreter mit umstrittenen Themen auseinander – von der Musterung für den Wehrdienst über Rüstungsexporte nach Israel bis hin zu Klimamaßnahmen. Gleichzeitig versuchte die Partei, eine breitere Wählerschaft anzusprechen.

Die Delegierten beschlossen die Einführung einer allgemeinen Wehrpflichtuntersuchung für junge Männer, obwohl sich die Jugendorganisation Grüne Jugend dagegen aussprach. Verteidigungsexperten im Bundestag hatten die Maßnahme gefordert und argumentiert, sie stärke die nationale Sicherheit. Die Entscheidung markiert eine Hinwendung zu traditionelleren sicherheitspolitischen Positionen innerhalb der Partei.

In der Außenpolitik bekräftigten die Grünen drei Grundprinzipien: das Existenzrecht Israels, das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser und die Würde aller Menschen. Franziska Brantner plädierte für einen ausgewogenen Ansatz und bestand auf einer Zwei-Staaten-Lösung sowie einer zeitnahen Anerkennung Palästinas. Eine vollständige Waffenembargo gegen Israel lehnten die Grünen jedoch ab; stattdessen sprachen sie sich gegen neue Rüstungslieferungen an die aktuelle Regierung aus.

Cem Özdemir inszenierte sich als pragmatischer Macher und brach mit Parteidogmen, indem er sich gegen das geplante Verbot neuer Verbrenner ab 2035 stellte. Zudem betonte er die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und argumentierte, Klimaschutz müsse mit der Industrie und nicht gegen sie funktionieren. Sein Wahlkampf für die Nachfolge Winfried Kretschmanns als Ministerpräsident Baden-Württembergs im März nächsten Jahres setzt auf Erfahrung und gesunden Menschenverstand.

Zu den wirtschaftlichen Vorhaben zählen eine einkommensabhängige Klimaprämie, die Wiederbelebung des 9-Euro-Tickets im ÖPNV sowie Sondersteuern auf die Übergewinne von Fossilkonzernen. Diese Maßnahmen sollen die finanzielle Belastung der Bürger mindern und gleichzeitig die ökologische Wende vorantreiben.

Mit klareren Positionen zu Verteidigung, Außenpolitik und Klimaschutz verlassen die Grünen Hannover. Die Beschlüsse zu Wehrpflicht, Rüstungsexporten und Wirtschaftsreformen werden ihre Attraktivität bei den anstehenden Wahlen prägen. Nun steht die Partei vor der Herausforderung, ihre Basis zu einen und gleichzeitig neue Wählergruppen zu gewinnen.