Bremer Ausbildungsfonds entfacht Streit: Soll Niedersachsen das umstrittene Modell übernehmen?
Janos PieperDGB will das Bremer Ausbildungsfonds auch in Niedersachsen einführen - Bremer Ausbildungsfonds entfacht Streit: Soll Niedersachsen das umstrittene Modell übernehmen?
Ein in Bremen eingeführter Ausbildungsfonds sorgt in diesem Jahr bundesweit für Diskussionen. Seit Januar 2025 sind größere Unternehmen im Stadtstaat verpflichtet, in das System einzuzahlen, das Ausbildungsbetrieben bis zu 2.250 Euro pro Auszubildendem und Jahr erstattet. Nun fordern Gewerkschaften ein ähnliches Modell in Niedersachsen – trotz massiven Widerstands der Wirtschaft.
Das Bremer Modell funktioniert so: Alle größeren Betriebe zahlen in den Fonds ein, unabhängig davon, ob sie selbst ausbilden. Die Mittel fließen dann an Unternehmen, die Lehrlinge beschäftigen, und decken bis zu 2.250 Euro pro Auszubildendem jährlich. Zusätzlich werden Weiterbildungen für Ausbilder und Sprachkurse für Mitarbeiter gefördert.
Wirtschaftsverbände wehren sich vehement gegen die Abgabe. Mehrere Industrie- und Handelskammern zogen vor Gericht und argumentierten, die Regelung belaste Unternehmen unnötig finanziell und bürokratisch. Bisher blieben ihre Klagen jedoch erfolglos. Trotz der Kritik hält der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) an dem Modell fest. Ernesto Harder, DGB-Landesvorsitzender für Niedersachsen, fordert die Einführung eines ähnlichen Fonds im Land. Die Gewerkschaft betont, dass das System die Ausbildungskosten gerechter verteilt und mehr Betriebe zur Übernahme von Azubis motiviert. Unternehmen in Niedersachsen prüfen nun eigene Klagen und warnen vor zusätzlichen Belastungen. Der DGB hingegen sieht die Vorteile – wie besser qualifiziertes Personal und verbesserte Sprachkenntnisse – als überzeugend an.
Trotz juristischer Rückschläge und Wirtschaftswiderstand läuft der Bremer Ausbildungsfonds weiter. Sollte Niedersachsen nachziehen, könnte das Modell die Finanzierung von Ausbildungsplätzen in der Region grundlegend verändern. Bisher hat die Landesregierung jedoch noch keinen konkreten Zeitplan für eine Umsetzung vorgelegt.