30 March 2026, 14:25

Syriens Übergangspräsident in Berlin: Wiederaufbau zwischen Hoffnung und Kritik

Titelbild eines alten Buches namens "Berliner Leben" mit einer Gruppe von Menschen in einer feierlichen Szenerie, begleitet von Text und einem Logo mit militärischem Bezug.

Syriens Übergangspräsident in Berlin: Wiederaufbau zwischen Hoffnung und Kritik

Syriens kommissarischer Präsident Ahmed al-Scharaa besucht diese Woche Berlin – mitten in den anhaltenden Debatten über die politische Zukunft des Landes. Die Reise folgt auf den Zusammenbruch des Assad-Regimes im Dezember 2024, einen Einschnitt, den Menschenrechtsorganisationen als historischen Wendepunkt für Syrien bezeichnen. Unterdessen setzen sich deutsche Regierungsvertreter und zivilgesellschaftliche Akteure für stärkere demokratische Garantien ein, während die Pläne für den Wiederaufbau Gestalt annehmen.

Die deutsche Regierung übernimmt eine führende Rolle bei den Wiederaufbaubemühungen in Syrien. Am 27. März 2026 veranstaltete das Auswärtige Amt einen deutsch-syrischen Wirtschaftsdialog, an dem hochrangige Vertreter aus Wirtschaft und Politik teilnahmen, darunter auch al-Scharaa. Im Mittelpunkt der Gespräche standen die Energieversorgung, der bilateraler Handel sowie die Wiedereingliederung Syriens in das globale Finanzsystem. Innenminister Alexander Dobrindt unterzeichnete zudem eine Partnerschaft zwischen der deutschen THW-Katastrophenhilfe und dem syrischen Ministerium für Katastrophenmanagement, um Notfallzentren wieder aufzubauen und den Zivilschutz zu stärken.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte Unterstützung für eine gemeinsame Taskforce und Rückkehrprogramme für syrische Rückkehrorganisationen zu. Doch seine Forderung, die Entwicklungshilfe an die Wiederaufnahme von Abschiebungen zu knüpfen, stieß auf Kritik. Sophie Bischoff, Co-Vorsitzende der deutsch-syrischen Menschenrechtsgruppe, nannte al-Scharaas Einladung zwar einen "richtigen Schritt", warnte jedoch, dass Syrien weiterhin unter einem gravierenden demokratischen Defizit leide. Zudem verwies sie auf wachsende autoritäre Tendenzen innerhalb der Übergangsregierung.

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Zivilgesellschaftliche Organisationen äußerten Bedenken gegenüber dem Berliner Ansatz. Farhad Ahma vom syrischen Kulturzentrum PEL-Civil Waves argumentierte, dass die ausschließliche Zusammenarbeit mit der Interimsregierung lokale Stimmen marginalisiere. Die Organisation Adopt a Revolution, die seit 2011 in Syrien aktiv ist, forderte bessere rechtliche Absicherungen für Syrer in Deutschland, die in ihre Heimat reisen, und drängte die Regierung, lokale Gemeinschaften in die Wiederaufbaupläne einzubinden. Bischoff unterstützte diese Forderungen und betonte die Rolle der syrischen Diaspora in Europa als unverzichtbare Brückenbauer für die Stabilisierung des Landes.

Der Besuch erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Syrien aus Jahren des Konflikts hervorgeht – geprägt durch ein Abkommen vom Januar 2026, das die kurdischen SDF-Kräfte in die nationale Armee integrierte. Mit der Aufhebung der Sanktionen und dem Ende der schweren Kämpfe im Nordosten rückt der Wiederaufbau nun in den Fokus. Doch bleibt die zentrale Frage, ob die internationale Unterstützung demokratische Reformen ebenso priorisieren wird wie die wirtschaftliche Erholung.

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