27 April 2026, 12:29

Sachsen-Anhalt verliert Tausende Betriebe – und die Lohnkontrollen brechen ein

Plakat mit zwei Personen vor einem Berg- und Baumhintergrund, mit dem Text "Was unser freier Handel bedeutet - britischer Granit Arbeiter - Die faire Lohnklausel ist in Ordnung, aber ich will Arbeit."

Sachsen-Anhalt verliert Tausende Betriebe – und die Lohnkontrollen brechen ein

Sachsen-Anhalt verzeichnet drastischen Rückgang bei Betriebszahlen und Lohnkontrollen

In Sachsen-Anhalt sind die Zahlen der Unternehmen und die Durchsetzung des Mindestlohngesetzes in den vergangenen drei Jahren stark zurückgegangen. Zwischen 2022 und 2025 verlor die Region über 3.500 Betriebe, während die Zollkontrollen auf weniger als die Hälfte des früheren Niveaus sanken. Kritiker warnen nun, dass die lasche Aufsicht Arbeitnehmer:innen schutzlos gegen Lohnwucher zurücklässt.

Die Zahl der aktiven Unternehmen in Sachsen-Anhalt sinkt seit 2022 kontinuierlich. Offizielle Statistiken zeigen einen Rückgang von 65.738 Betrieben im Jahr 2022 auf 62.211 im Jahr 2025. Gleichzeitig hat die Kontrolle der Lohnvorschriften deutlich nachgelassen.

Zollprüfungen auf historischem Tiefstand Die Kontrollen des Zolls, die illegale Beschäftigung und Verstöße gegen Lohnvorschriften aufdecken sollen, sind eingebrochen. Noch 2022 führte die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) 1.598 Betriebsprüfungen durch – bis 2025 sank diese Zahl auf nur noch 691. Bei der aktuellen Prüfdichte muss ein durchschnittlicher Betrieb in der Region statistisch alle 90 Jahre mit einer Kontrolle rechnen. In der Landwirtschaft ist die Wartezeit noch länger: hier steht eine Prüfung alle 234 Jahre an.

"Vollzugsblindheit": Linke fordert Konsequenzen Der Linken-Abgeordnete David Schliesing bezeichnet die Lage als "Vollzugsblindheit" und fordert spezielle Staatsanwält:innen für Lohnverstöße sowie dringend mehr Personal für den Zoll. Seine Kritik kommt zu einem Zeitpunkt, an dem 23,3 Prozent der Beschäftigten in Sachsen-Anhalt weniger als 15 Euro pro Stunde verdienen. In nicht tarifgebundenen Betrieben liegt der Anteil sogar bei 35 Prozent.

Der gesetzliche Mindestlohn beträgt derzeit 13,90 Euro und soll 2027 auf 14,60 Euro steigen. Doch die mangelnde Kontrolle bleibt ein zentrales Problem: Die Prüfungen liegen aktuell bei nur noch 42,4 Prozent des Niveaus von 2022.

Forderung nach mehr Kontrollen – sonst droht der Mindestlohn auf dem Papier zu bleiben Der Rückgang bei Betriebszahlen und Prüfungen wirft Fragen zum Schutz der Löhne in Sachsen-Anhalt auf. Angesichts seltener Kontrollen und eines hohen Anteils an Niedrigverdiener:innen mehren sich die Rufe nach schärferen Maßnahmen. Ob die geplante Erhöhung des Mindestlohns 2027 Wirkung zeigt, hängt davon ab, ob die Überwachung in den kommenden Jahren deutlich verbessert wird.

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