24 December 2025, 18:46

Radikale Kunst und Punk: *Die Tödliche Doris* in Bremen gefeiert

Ein Schwarz-Weiß-Bild eines Musikkonzerts mit vier Künstlern auf der Bühne: zwei Gitarristen und eine Sängerin, mit Zuschauern unten und Lichtern oben.

Radikale Kunst und Punk: *Die Tödliche Doris* in Bremen gefeiert

Große Retrospektive von Die Tödliche Doris im Bremer Weserburg Museum eröffnet

Im Bremer Weserburg Museum ist eine umfassende Retrospektive der einflussreichen Punkband und Künstlergruppe Die Tödliche Doris zu sehen. Die Ausstellung bietet erstmals einen tiefgehenden Einblick in das Schaffen des 1980 in West-Berlin gegründeten Kollektivs, das mit seiner radikalen Abkehr von künstlerischen Konventionen Musik, Film und Performance auf provokante Weise verschmolz.

Gegründet wurde Die Tödliche Doris 1980 von Wolfgang Müller und Nikolaus Utermöhlen. Schnell machten sie mit ihrem unkonventionellen Ansatz auf sich aufmerksam – statt handwerklicher Perfektion setzten sie auf rohe Experimente. Bereits 1981 traten sie beim Festival der genialen Dilettanten in Berlin auf, einem Schlüsselevent der Underground-Szene.

Film wurde bald zu einem zentralen Element ihres Schaffens, in dem sie Musik und visuelle Kunst verschränkten. Ihr 1981 entstandener Film Das Leben von Sid Vicious sorgte mit seinem frechen, konfrontativen Stil für Empörung. Die Gruppe galt als unberechenbar, tauchte dort auf, wo man sie am wenigsten erwartete. 1984 schuf sie Die Totalität allen Lebens und alles Darüber Hinaus, ein Werk, zu dem Besucher eingeladen waren, es selbst zu übermalen. Ihr einziges formales Gemälde, eine konzeptuelle Arbeit, wurde 1987 auf der documenta gezeigt. Die aktuelle Bremer Ausstellung inszeniert ihre chaotische Energie nach – überlappende Super-8-Filme füllen den Raum mit einem ständigen Summen. Nach Utermöhlens Tod 1996 löste sich das Kollektiv auf; bewusst wurde nie eine Führungspersönlichkeit benannt, ganz im Sinne ihres antihierarchischen Selbstverständnisses.

Die Weserburg-Schau versammelt erstmals Filme, Performances und Installationen von Die Tödliche Doris an einem Ort. Ihr Erbe als Grenzgänger zwischen Kunst und Punk wirkt bis heute nach. Die Retrospektive ist noch bis Anfang nächsten Jahres zu sehen.