Oldenburgs Medienkunsthaus distanziert sich von NS-belasteter Stifterin Edith Ruß

Janos Pieper
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Ein Schwarz-Weiß-Plakat mit einem Mann in einem Helm mit einem Nazi-Symbol, begleitet von einem Text, der wahrscheinlich eine Propagandabotschaft enthält.Janos Pieper

Oldenburgs Medienkunsthaus distanziert sich von NS-belasteter Stifterin Edith Ruß

Oldenburgs Haus für Medienkunst trennt sich von seiner Namensgeberin Edith Ruß nach Enthüllungen über ihre NS-Vergangenheit. Das Edith-Russ-Haus für Medienkunst in Oldenburg wurde im Februar 2025 umbenannt, nachdem bekannt wurde, dass seine ehemalige Namensgeberin Edith Ruß Mitglied der NSDAP war und als Propaganda-Redakteurin tätig gewesen war. Eine neue Ausstellung setzt sich nun mit ihrem Leben auseinander – neben den Schicksalen einer Widerstandskämpferin und einer jüdischen Opfer des Regimes – und konfrontiert die Region mit ihrer NS-Geschichte. Die unter dem Titel "Die Stifterin, der Nationalsozialismus und das Haus" laufende Schau wurde am 28. Januar 2026 eröffnet und ist bis zum 1. März zu sehen. Gezeigt werden Ruß' originale NS-Artikel, Presseausweise aus dieser Zeit sowie eine gefälschte eidesstattliche Versicherung, die sie 1945 für ihren Vorgesetzten Herbert Heitz im Rahmen der Entnazifizierung ausstellte. Der Historiker Joachim Tautz, Autor eines im Auftrag der Stadt erstellten Gutachtens, charakterisierte sie als "überzeugte Nationalsozialistin". Die Ausstellung stellt Ruß' Biografie den Lebenswegen von Traute Lafrenz, einer Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime, und Erna Gellert, einer jüdischen Verfolgten, gegenüber – um zu zeigen, dass Widerstand möglich war. Zeitgenössische Kunstwerke und institutionelle Kritik hinterfragen, wie Ruß' Vergangenheit jahrzehntelang ignoriert werden konnte. Kulturdezernent Holger Denckmann räumte in seiner Eröffnungsrede ein, dass frühere Recherchen ihre NS-Verstrickungen nicht aufgedeckt hätten. Trotz ihrer späteren Tätigkeit als Sonderpädagogin, die einige Politiker von CDU und FDP als Beleg für eine Wandlung anführen, thematisiert die Schau auch ihre ungekärte Vermögensherkunft und Steuerhinterziehung. Das Museum, das sich einst nach Ruß benannte, bezeichnet die Ausstellung als "Abschluss" der Auseinandersetzung mit ihrem Erbe. Kritiker monieren jedoch, dass die Verbindung zwischen dem Isensee Verlag, der NS-Zeitungen druckte, und dem heutigen Gebäudestandort ausgeblendet bleibt. Die Ausstellung endet am 1. März und markiert damit das vorläufige Ende der öffentlichen Aufarbeitung von Ruß' NS-Vergangenheit. Ihr Name war bereits 2025 von dem Haus entfernt worden. Die Macher der Schau betonen angesichts des Erstarkens rechtsextremer Bewegungen die Notwendigkeit, sich mit der lokalen NS-Geschichte auseinanderzusetzen. Weitere Schritte seitens der Stadt sind über dieses Projekt hinaus bisher nicht angekündigt.

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