Machtkampf bei DocMorris: Soll Ex-Celesio-Chef Oesterle den umkämpften Online-Apotheken-Riesen retten?
Elsa JunckMachtkampf bei DocMorris: Soll Ex-Celesio-Chef Oesterle den umkämpften Online-Apotheken-Riesen retten?
DocMorris steht vor einem Führungswechsel: Aktionäre drängen auf Abberufung von CEO Walter Oberhänsli
Die Aktionäre des Versandapotheken-Riesen wollen stattdessen Dr. Fritz Oesterle an die Spitze des Unternehmens bringen. Der Vorstoß erfolgt in einer Phase zunehmenden Drucks im Markt für Online-Apotheken, in dem neue Konkurrenten die Branche aufmischen.
Hinter der Initiative steht Ceplion, ein Investor mit dem ehrgeizigen Ziel, DocMorris zur führenden europäischen Plattform für "Gesundheit auf Knopfdruck" auszubauen. Doch Oesterles bisherige Bilanz – und die aktuellen Schwierigkeiten des Unternehmens – werfen Fragen auf, ob der Plan aufgehen kann.
Dr. Fritz Oesterle ist kein Unbekannter bei DocMorris. 2007, als Vorstandschef von Celesio, übernahm er das Unternehmen in einer riskanten Wette auf die Marktliberalisierung. Doch nur zwei Jahre später bestätigte der Europäische Gerichtshof das Verbot externer Apothekenbesitzmodelle – Celesio musste sich zurückziehen, und Oesterle verließ das Unternehmen 2011 nach diesem Rückschlag.
Seitdem war er in Aufsichtsratsfunktionen tätig, doch mit digitaler Gesundheitsversorgung hatte er kaum Berührungspunkte. Seine Expertise liegt im Großhandel und stationären Apothekenbetrieb – nicht in der Online-Innovation. Unterdessen wechselt sein ehemaliger Top-Lobbyist, Max Müller, nun in den Aufsichtsrat des Konkurrenten Redcare.
Die aktuelle Krise bei DocMorris spiegelt tiefgreifendere Probleme wider. Aktuelle Zahlen zeigen, dass die Kundenbindung nur mit hohem Marketingaufwand gelingt – die Rentabilität rückt damit in weitere Ferne. Auffällig ist auch, dass der Aktionärsaufstand Walter Hess, den zweiten Mann im Unternehmen, nicht erwähnt – ein Zeichen dafür, dass seine Position vorerst unangetastet bleibt.
Die Branche selbst steht vor einem Umbruch. Schwergewichte wie die Schwarz-Gruppe und dm drängen in den Versandapotheken-Markt und verschärfen den Wettbewerb. Ceplions Vision einer schlanken Digitalgesundheits-Plattform sieht sich in diesem dynamischen Umfeld mit großen Hürden konfrontiert.
Sollte Oesterle das Ruder übernehmen, erbt er ein Unternehmen mit hohen Kosten und hartem Konkurrenzdruck. Ob Ceplions Plan, die europäische Digitalgesundheit zu dominieren, gelingt, hängt davon ab, ob sich Oesterles Erfahrung – oder seine früheren Fehleinschätzungen – als prägender erweisen.






