Lokale Apotheken kämpfen um Überleben gegen Versandhändler und fordern Reformen
Elsa JunckLokale Apotheken kämpfen um Überleben gegen Versandhändler und fordern Reformen
Apotheken vor Ort in Deutschland stehen unter wachsendem wirtschaftlichen Druck – doch ihre Rolle im Gesundheitswesen bleibt unverzichtbar. Bei einem jüngsten Treffen zwischen hessischen Gesundheitsvertretern und Apothekerverbänden standen Sorgen um faire Wettbewerbsbedingungen und die Finanzierung im Mittelpunkt. Diskutiert wurde auch der rasante Aufstieg der Versandapotheken und der Bedarf an strengeren Kontrollen.
Die Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration, Dr. Sonja Optendrenk, besuchte das Noweda-Verteilzentrum in Langgöns, um sich mit Vorstandsvorsitzendem Dr. Michael Kuck auszutauschen. Im Fokus standen die finanziellen Schwierigkeiten traditioneller Apotheken und die Herausforderungen durch industrielle Versandhändler.
Optendrenk betonte, dass wirtschaftlich stabile Apotheken entscheidend seien, um die lokale Gesundheitsversorgung zu sichern. Ein funktionierendes Gesundheitssystem – einschließlich einer zuverlässigen Arzneimittelversorgung – bezeichnete sie als Grundpfeiler einer starken Demokratie. Kuck forderte unterdessen dringend finanzielle Entlastungen, etwa durch höhere Festbeträge, um steigende Kosten auszugleichen.
Seit Inkrafttreten des Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetzes (AVWG) im Jahr 2020 hat der Marktanteil der Versandapotheken von 8,5 auf rund 15 Prozent zugelegt. Bis 2023 verzeichneten sie jährliche Wachstumsraten von 20 bis 30 Prozent, bevor sich das Tempo verlangsamte. Als Reaktion verschärften Aufsichtsbehörden wie die Bundesapothekerkammer (BAK) und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Vorgaben zu Qualitätssicherung und Werbung.
Kritik am AVWG wird unter Apothekern und Bundesländern immer lauter. Hessen etwa setzt sich für bessere Vergütungen ein und lehnte im Bundesrat Pläne für "apothekerfreie" Apotheken ab. Debattiert wurde auch faire Konkurrenz – mittlerweile gelten strenge rechtliche Anforderungen für Großhändler und Apotheken gleichermaßen.
Apotheken bleiben insbesondere in ländlichen Regionen ein zentraler erster Anlaufpunkt, der ohne Termin fachkundige Beratung bietet. Ihre Bedeutung für Arzneimittelsicherheit und Patientenführung gilt als unverzichtbar.
Das Treffen unterstrich den Bedarf an gerechterer Finanzierung und stärkeren Regularien, um lokale Apotheken zu stützen. Angesichts des Vormarschs der Versandhändler drängen Politik und Branche auf Reformen, um die wirtschaftliche Stabilität zu sichern. Die Ergebnisse dieser Diskussionen könnten die zukünftige Arzneimittelversorgung in ganz Deutschland prägen.






