Haus der Kulturen der Welt: Zwischen postkolonialer Vision und politischer Krise
Janos PieperHaus der Kulturen der Welt: Zwischen postkolonialer Vision und politischer Krise
Berlins Haus der Kulturen der Welt (HKW) steckt in wachsender Kritik und verliert an Bedeutung. Die unter der Leitung des kamerunischen Intendanten Bonaventure Soh Bejeng Ndikung stehende Institution – seit 2023 an der Spitze – ist zum Kristallisationspunkt für Debatten über kulturelle Programmgestaltung und politischen Druck geworden. Aktuelle Absagen und Boykotte haben ihre Position in der deutschen Kunstszene weiter erschüttert.
Ndikungs Amtsantritt markierte einen historischen Wandel: Das HKW wurde zur ersten großen deutschen Kultureinrichtung, die vollständig von People of Color geleitet wird. Sein Fokus auf postkoloniale Themen stieß jedoch in Teilen des deutschen Kulturbetriebs auf Kritik.
Die Absage eines Konzerts des schwäbischen Rappers Chefket verschärfte die Spannungen. Chefket, vom Goethe-Institut zum "Rap-Botschafter" ernannt, geriet unter Beschuss, weil er einen Auftritt am Jahrestag eines Hamas-Angriffs auf Israel plante. Seine Entscheidung, ein T-Shirt mit der Aufschrift "Palästina" in arabischer Kalligrafie und der Umrissform Israels zu tragen, führte zu Druck seitens Kulturstaatsminister Wolfram Weimer – das Konzert wurde abgesagt. Aus Solidarität mit Chefket sagten daraufhin alle anderen deutschen Künstler ihre Auftritte im HKW ab.
Versuche, das Ansehen des HKW wiederherzustellen, umfassten prominente Veranstaltungen wie ein kürzlich stattfindendes Konzert des haitianischen Saxophonisten Jowee Omicil. Doch selbst solche Highlights vermochten es nicht, der Institution ihre einstige internationale Strahlkraft zurückzugeben. Die Ausstellung Die Möglichkeit des Unvernunfts des TV-Satirikers Jan Böhmermann sollte Aufmerksamkeit generieren, geriet aber stattdessen selbst zur Kontroverse im größeren Streit um das HKW.
Trotz seiner zentralen Lage in der Nähe des Bundeskanzleramts wird das HKW von der Bundespolitik weitgehend ignoriert. Die Krise der Einrichtung spiegelt tiefere Gräben wider – über kulturelle Repräsentation und die Grenzen künstlerischer Freiheit in Deutschland.
Das HKW steht nun an einem Scheideweg: zwischen seiner postkolonialen Vision und den wachsenden politischen wie künstlerischen Herausforderungen. Die Absage von Chefkets Konzert und der Boykott anderer Künstler haben nachhaltige Spuren hinterlassen. Gleichzeitig sorgt das Programm weiterhin für Diskussionen – eine Lösung ist nicht in Sicht.