03 April 2026, 16:28

Hamburgs Seemannslieder: Wie Hans Albers und Shanties die maritime Seele der Stadt prägten

Ein Vintage-Buchumschlag mit einer Illustration eines auf dem Wasser segelnden Schiffs mit geblähten Segeln, begleitet von Text in einer klassischen Schriftart, in gedämpften Farben dargestellt.

Hamburgs Seemannslieder: Wie Hans Albers und Shanties die maritime Seele der Stadt prägten

Hamburgs seemännisches Liedgut – ein Erbe, das bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht

Die Tradition der Hamburger Seemannslieder reicht tief in die Vergangenheit, bis ins 19. Jahrhundert, als Matrosen auf langen Fahrten sangen, um sich die Zeit zu vertreiben. In den 1950er- und 60er-Jahren erlebten diese Lieder eine Renaissance und verschmolzen mit dem Nachtleben der Stadt und ihrer maritimen Geschichte. Eine Schlüsselfigur dieser Ära war Hans Albers, dessen Leben und Filme die Sehnsucht nach dem Meer einfingen – und den Schmerz, es zurücklassen zu müssen.

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Michael Krieg wuchs in der Nähe der Howaldtswerke-Werft in Kiel auf und verbrachte seine frühen Jahre damit, Schiffe in den Förde gleiten und Kriegsschiffe vor der Küste liegen zu sehen. Bei Familienausflügen begleiteten ihn die Stimmen von Freddy Quinn, Lale Andersen und Hans Albers, die mit ihren Seemannsliedern seine Kindheit prägten. Doch es war Albers' Rolle als Hannes Kröger in Große Freiheit Nr. 7, die ihn besonders faszinierte – die Geschichte eines Seemanns, zerrissen zwischen Liebe und dem Ruf des Ozeans.

Albers' Filmfigur träumt davon, auf die Wellen zurückzukehren, wird aber von einer unerfüllten Liebe zurückgehalten. Die Handlung spiegelt das Leben des Schauspielers selbst wider: Nach einer gescheiterten Liebesbeziehung wandte er sich bekanntlich von St. Pauli ab und sang La Paloma als letzten Abschied. Zuvor hatte er in einem Kirchenchor gesungen – an seiner Seite ein raubeiniger Matrose vom Lotsen-Gesangverein, eine Erfahrung, die seinen späteren Auftritten Authentizität verlieh.

Die Traditionen, für die Albers stand, wurzelten in Hamburgs goldener Segelzeit. Shanties hielten einst die Mannschaften im Takt während anstrengender Fahrten, und im 20. Jahrhundert bewahrten Chöre wie der Hamburger Shanty-Chor dieses Erbe. Reedereien wie F. Laeisz, berühmt für ihre Windjammer, wurden in Liedern verewigt. Noch heute segelt eines ihrer letzten großen Schiffe: die Padua, heute das russische Schulschiff Kruzenshtern, als einzig verbliebene Viermastbark der legendären Flying P-Liner über die Meere.

Für Albers blieb das Meer ein Ort der Flucht. Am Ende heuerte er ein letztes Mal auf der Padua an und stach in den Horizont – genau wie es seine Filme vorweggenommen hatten.

Die Padua – heute Kruzenshtern – segelt noch immer als lebendiges Denkmal von Hamburgs maritimem Erbe. Albers' Geschichte, verwoben in Film und Lied, hält den Geist jener Fahrten wach. Zwar sind die Werften von Kiel verblasst und das Nachtleben von St. Pauli hat sich gewandelt, doch die Shanties leben weiter – so wie einst die Windjammer.

Quelle