03 March 2026, 08:33

Göttingen erlaubt erstmals Muezzin-Ruf im öffentlichen Dienst ab Februar 2026

Ein altes Schwarz-Weiß-Foto eines Mannes im Gebet, der ein Tuch und eine Kappe trägt, mit der Aufschrift "Bredjande Molla, die erste muslimische Frau der Welt" unten.

Göttingen erlaubt erstmals Muezzin-Ruf im öffentlichen Dienst ab Februar 2026

Göttingens DITIB-Muslimgemeinschaft wird am 24. Februar 2026 erstmals den Ruf des Muezzins im öffentlichen Dienst übertragen. Die Ankündigung fällt mit dem Fastenbrechen zum Ramadan zusammen und folgt monatelangen Beratungen unter lokalen Religionsgemeinschaften. Vertreter der Stadt und religiöse Würdenträger betonten die Bedeutung des Dialogs sowie die verfassungsmäßigen Rechte aller Glaubensgruppen.

Der Beschluss entstand im Rahmen des Göttinger Runden Tisches der Religionen, einem Forum, in dem Vertreter verschiedener Konfessionen ihre Standpunkte austauschen. Bürgermeisterin Petra Broistedt verwies darauf, dass die Religionsfreiheit – einschließlich ihrer hörbaren Ausdrucksformen – durch das Grundgesetz geschützt sei und für alle Gemeinschaften gleichermaßen gelte.

Die DITIB-Gemeinde hat mehrere öffentliche Veranstaltungen geplant, um ihr Vorgehen zu erläutern. Am 17. März 2026 findet eine offene Diskussionsrunde statt, gefolgt von einem Tag der offenen Moschee am 26. März und einer Podiumsdiskussion am 30. März. Ali Serkan Şahbaz, Sprecher der DITIB, stellte klar, dass der Gebetsruf eine liturgische Einladung sei – weder eine politische Aussage noch ein Missionierungsversuch.

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Lokale Religionsvertreter zeigen sich unterstützend. Dechant Wigbert Schwarze von der katholischen Kirche bezeichnete Vielfalt als Teil des Alltags und plädierte für Gespräche statt Spaltung. Jaqueline Jürgenliemk, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, begrüßte die Initiative als Schritt, um durch offenen Austausch Vertrauen zu schaffen. Superintendent Dr. Frank Uhlhorn von der evangelischen Kirche ergänzte, der öffentliche Dienst solle religiöse Praxis innerhalb klarer Regeln ermöglichen.

Die Stadt Göttingen hat zudem einen FAQ-Bereich online veröffentlicht, um häufige Fragen zum Muezzin-Ruf zu beantworten. Die Debatte spiegelt bundesweite Diskussionen wider: Während Städte wie Köln und Berlin begrenzte Übertragungen erlauben, gibt es Widerstand von rechtsextremen Gruppen. Umfragen zwischen 2021 und 2025 zeigen eine gespaltene öffentliche Meinung, doch viele betonen die Notwendigkeit von Integration und verfassungsgemäßen Rechten.

Der Gebetsruf wird transparent gestaltet – die DITIB lädt Anwohner explizit zu Rückmeldungen ein. Göttingens Vorgehen steht exemplarisch für die nationalen Debatten über religiöse Sichtbarkeit und Zusammenleben. Die für März geplanten Veranstaltungen sollen sicherstellen, dass der Prozess offen bleibt und die Anliegen der Gemeinschaft berücksichtigt.