EZB plant Notfallstrategie gegen Energieschocks durch Iran-Konflikt und hohe Ölpreise
Maximilian SchönlandEZB plant Notfallstrategie gegen Energieschocks durch Iran-Konflikt und hohe Ölpreise
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat in seinen bevorstehenden globalen Prognosen vor steigenden Preisen und einer verlangsamten Wirtschaftsentwicklung gewarnt. Unterdessen hat die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, eine dreistufige Strategie skizziert, um mögliche Energieschocks im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt zu bewältigen. Der Plan kommt zu einer Zeit, in der die Ölpreise in der Nähe historischer Höchststände verharren und die globalen Schifffahrtsrouten weiterhin beeinträchtigt sind.
Lagardes erster Ansatz sieht vor, kurzfristige Preissprünge bei Energie zu ignorieren. Laut EZB wäre eine Reaktion auf vorübergehende Schocks mit geldpolitischen Maßnahmen aufgrund von Verzögerungen bei der Wirkung ineffektiv. Stattdessen werde die Bank ihre Position beibehalten, es sei denn, die Inflationsrisiken würden nachhaltiger.
Die aktuellen Ölpreise liegen im 95. Perzentil der von der EZB erwarteten Verteilung und entsprechen damit ihrem negativen Szenario. Diese Prognose geht von einer stagnierenden Wirtschaftsentwicklung bis 2026 aus, gefolgt von einer langsamen Erholung bis Ende 2028. Die Inflation bliebe demnach über zwei Jahre lang über dem Zielwert, ohne jedoch eine tiefe Rezession auszulösen.
Der zweite Teil der Strategie ermöglicht schrittweise Anpassungen der Geldpolitik, falls die Inflation das EZB-Ziel überschreitet, aber vorübergehend bleibt. Eine entschlossenere Reaktion käme nur dann infrage, wenn die Inflation deutlich stärker ausfiele und länger anhielte als erwartet.
Hintergrund der Überlegungen sind anhaltende Störungen im Schiffsverkehr nach den Angriffen der Huthi-Rebellen Ende 2023. Trotz militärischer Interventionen der USA und diplomatischer Bemühungen hat sich der Verkehr durch den Suezkanal noch nicht normalisiert. Diese Belastungen der Lieferketten verstärken die Sorgen der EZB vor anhaltender, energiegetriebener Inflation.
Die Szenarien der EZB deuten darauf hin, dass unter den aktuellen Bedingungen nur begrenzte geldpolitische Maßnahmen zu erwarten sind, während stärkere Eingriffe erst bei schweren Inflationsrisiken erfolgen würden. Die Ölpreise und die Störungen im Schiffsverkehr bleiben entscheidende Faktoren für die künftige wirtschaftliche Stabilität. Die Prognosen der Bank gehen davon aus, dass es keine größeren Zinsänderungen geben wird, es sei denn, die Inflationsdruck nimmt weiter zu.






