20 April 2026, 00:54

Die DDR und Joseph Beuys: Eine umstrittene Ausstellung als kultureller Tabubruch 1988

Plakat für die Große Kunstausstellung der Grand Exposition des Beaux-Arts in Dresden, Deutschland, 1904, mit fettgedrucktem Text, der das Ereignis ankündigt.

Die DDR und Joseph Beuys: Eine umstrittene Ausstellung als kultureller Tabubruch 1988

1988 veranstaltete die DDR ihre erste und einzige Ausstellung über Joseph Beuys, einen umstrittenen Künstler, der jahrelang vom Staat als "unerwünschte Person" eingestuft worden war. Die Schau markierte eine seltene Wende in der Kulturpolitik, denn selbst Funktionäre räumten ein, seinen Einfluss nicht länger ignorieren zu können. Gezeigt in Berlin und Leipzig, präsentierte sie frühe Werke, vermied jedoch jede Erwähnung seines politischen Engagements oder seiner demokratischen Überzeugungen.

Jahre lang hatte die sozialistische Führung der DDR Joseph Beuys als Bedrohung abgetan. Sein Ruf als gesellschaftlich engagierter Künstler und Demokrat machte ihn in offiziellen Kreisen persona non grata. Doch Ende der 1980er-Jahre wuchs der Druck, seine Prägung der modernen Kunst anzuerkennen.

Verhandlungen begannen, um die Ausstellung Beuys vor Beuys in die DDR zu holen. Die Schau konzentrierte sich auf 216 Werke aus der Sammlung van der Grinten, die zwischen 1946 und 1966 entstanden waren. Die Organisatoren achteten sorgfältig darauf, jeglichen Bezug zu seinen späteren, politisch aufgeladenen Arbeiten auszuschließen.

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Die Ausstellung eröffnete Mitte Januar 1988 im Berliner Marstall. Später zog sie um an die Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Manfred Wekwerth, Präsident der Akademie der Künste, hatte zuvor an das ZK der SED geschrieben und Beuys' künstlerische Bedeutung betont. Dennoch behielt der Staat die strenge Kontrolle darüber, wie sein Werk präsentiert wurde.

Die Schau lief bis Mitte Mai 1988 und bot einen begrenzten, aber beispiellosen Einblick in Beuys' frühes Schaffen. Sie blieb die einzige offizielle Ausstellung seiner Werke in der DDR. Das Ereignis offenbarten die Spannungen zwischen künstlerischer Anerkennung und politischer Zensur in den letzten Jahren der DDR.

Quelle