"Blutbuch" auf der Bühne: Eine radikale Reise durch Identität und Trauma in Berlin
Maximilian Schönland"Blutbuch" auf der Bühne: Eine radikale Reise durch Identität und Trauma in Berlin
Eine mutige Bühnenadaption von Kim de l'Horizons preisgekröntem Debütroman feiert Premiere vor ausverkauftem Haus im Berliner Vaganten Bühne in Charlottenburg. Unter der Regie von Max Radestock und Daniela Guse verwandelt die Inszenierung den gefeierten Roman in eine visuell beeindruckende Auseinandersetzung mit Identität und Geschichte.
Das Buch, das 2022 sowohl mit dem Deutschen Buchpreis als auch mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet wurde, erzählt von Kims Suche nach dem eigenen Ich und der Verbindung zu den Ahnen. Auf der Bühne entfaltet sich diese Reise über die Geschichte einer Blutbuche und verwebt Themen wie genderfluide Identität und transgenerationelles Trauma. Das Stück stellt sich dabei schmerzhaften Erblasten – von Zwangsabtreibungen über Massenvergewaltigungen bis zu verlorenen Kindern.
Kims Körper wird als fließend und grenzenlos inszeniert, jenseits binärer Zuschreibungen. Drei Schauspieler:innen – Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger – teilen sich die Rolle und verkörpern ihre wandelbare Natur. Das Bühnenbild unterstreicht diese Fluidität: Von der Decke hängen zerrissene beige Strumpfhosen, gefüllt mit Sand und Bällen, während ein Modenschau-Element mit weißen Spitzenkleidern aufwartet. Eine Voodoo-Puppe, die die fiktive Stadt Grandsea symbolisiert, fügt eine weitere Bedeutungsebene hinzu.
Die Produktion bleibt dem rohen emotionalen Kern des Romans treu, erweitert ihn aber um eine eigenwillige visuelle und theatralische Sprache. Radestock und Guses Regie lässt Kims Geschichte zwischen Intimität und Spektakel lebendig werden.
Die Premiere markiert einen bedeutenden Moment für das zeitgenössische Theater, das hier literarischen Ruhm mit wagemutiger Inszenierung verbindet. Indem das Stück Themen wie Trauma, Identität und Herkunft aufgreift, bietet es dem Publikum eine kraftvolle Reflexion über persönliche und kollektive Geschichte. Die ausverkaufte Erstaufführung deutet auf großes Interesse an dieser schonungslosen Erzählweise hin.






