30 March 2026, 20:22

Berlin erzwingt Lehrstellen: Neue Abgabe spaltet Wirtschaft und Startups

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Berlin erzwingt Lehrstellen: Neue Abgabe spaltet Wirtschaft und Startups

Berlin führt umstrittene Ausbildungsabgabe ein, um Betriebe zu mehr Lehrstellen zu verpflichten

Berlin hat eine kontroverse neue Regelung beschlossen, mit der Unternehmen dazu gedrängt werden sollen, mehr Ausbildungsplätze anzubieten. Ab 2028 drohen Betrieben mit mindestens zehn Beschäftigten finanzielle Strafen, wenn sie die bundesweite Ausbildungsquote nicht erfüllen. Die Maßnahme stößt vor allem bei lokalen Startups und Unternehmern auf Kritik, die argumentieren, dass die Politik nicht zu ihren Bedürfnissen passe.

Das Berliner Abgeordnetenhaus hat kürzlich die sogenannte Ausbildungsabgabe verabschiedet, die sich gegen Unternehmen richtet, die zu wenige Lehrstellen bereitstellen. Firmen mit zehn oder mehr Mitarbeitenden müssen eine Ausbildungsquote von 4,6 Prozent erreichen – dem aktuellen Bundesdurchschnitt – oder in einen zentralen Fonds einzahlen. Durch die Abgabe sollen jährlich rund 75 Millionen Euro generiert werden, die in die berufliche Ausbildung in der Stadt fließen.

Derzeit liegt Berlins durchschnittliche Ausbildungsquote bei nur 3,1 Prozent und damit deutlich unter dem Rest Deutschlands. Das neue Gesetz soll diese Lücke schließen, indem es Unternehmen bestraft, die die Vorgaben nicht erfüllen. Viele Gründer halten die Regelung jedoch für ungerecht, insbesondere für Startups und technologieorientierte Unternehmen, in denen klassische Ausbildungsberufe nicht zu ihren Geschäftsmodellen passen.

Moritz Kreppel, Gründer von Urban Sports Club, bezeichnete die Abgabe als "Strafe für Unternehmen, die schlichtweg keine Auszubildenden benötigen". Marius Meiners von Peec AI ging noch weiter und erklärte, sein Unternehmen würde lieber die Strafe zahlen, als Lehrlinge einzustellen, da die Rollen nicht zu ihrem Modell passten. Ralph Hage, Gründer von Lap Coffee, kritisierte die Politik als ein "falsches Signal" der Stadt, während Agnieszka Walorska von Mika auf ein grundlegendes Problem hinwies: Immer weniger junge Menschen in Berlin interessierten sich für traditionelle Ausbildungsberufe.

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Einige Unternehmen wie Lap Coffee setzen stattdessen auf Automatisierung und moderne Schulungsmethoden. Hage erklärte, sein Betrieb arbeite mit standardisierten Prozessen und digitalem Lernen, was klassische Ausbildungswege unpraktikabel mache.

Die Ausbildungsabgabe tritt 2028 in Kraft und gibt Unternehmen fünf Jahre Zeit, sich anzupassen. Wer die Quote nicht erfüllt, zahlt in einen Fonds ein, der die berufliche Ausbildung in Berlin fördern soll. Während die Politik mehr Chancen für junge Arbeitnehmer schaffen will, sehen viele Betriebe darin eine zusätzliche Belastung, die die eigentlichen Herausforderungen auf dem Berliner Arbeitsmarkt nicht löst.

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