13 June 2026, 16:14

Angélica Liddells provokante Mishima-Hommage feiert rauschhafte Premiere

Wien Festival: Ritualisierte Todesekstase

Angélica Liddells provokante Mishima-Hommage feiert rauschhafte Premiere

Angélica Liddells neue Performance Seppuku: Mishimas Beerdigung oder die Lust am Sterben hatte Premiere am Volkstheater

Die zweistündige Produktion verbindet Nō-Theater mit dem viszeralen Stil der Künstlerin. Sie ist Teil der Wiener Festwochen, die sich in diesem Jahr mit den Themen Leben, Tod und das Makabre auseinandersetzen.

Liddell lässt sich stark vom Leben und Werk des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima inspirieren. Die Aufführung inszeniert Mishimas rituellen Selbstmord – einen Moment, den er selbst vor seinem Freitod in Szene setzte. Gleichzeitig fließen eigene Erfahrungen ein: Vor Jahren war sie in Madrid Zeugin des Suizids einer Frau.

Die Show enthält eindringliche und provokante Szenen. An einer Stelle mischen Liddell und eine weitere Performerin ihr Blut auf der Bühne. Sie trägt auch Kleidungsstücke Verstorbener, um deren Leid verkörpern zu können. Schwarzer Humor kommt ebenfalls zum Einsatz, etwa durch den Kontrast zwischen einem Bodybuilder und sich entkleidenden jungen Männern.

Die Produktion steigert sich zu einem kraftvollen Höhepunkt: Liddell liefert eine ekstatische Verteidigung des Suizids und verbindet so die Themen Sterblichkeit und künstlerischer Ausdruck.

Das Stück ist eine kühne Verschmelzung von traditioneller und zeitgenössischer Performance. Es konfrontiert das Publikum mit rohen, beunruhigenden Bildern und Ideen. Die Wiener Festwochen setzen mit Werken wie diesem weiterhin auf künstlerische Grenzüberschreitungen.

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