20 April 2026, 08:21

40-Euro-Gebühr für Apotheker-Rentner löst bundesweiten Protest aus

Ein Plakat, auf dem steht, dass Big Pharma 2022 Amerikaner zwei bis drei Mal so viel für dieselben Medikamente berechnet hat, mit Bildern von Medikamentenflaschen und einer Spritze darunter.

40-Euro-Gebühr für Apotheker-Rentner löst bundesweiten Protest aus

Eine neue vierteljährliche Gebühr von 40 Euro für Rentner unter Apothekern hat in ganz Deutschland massiven Protest ausgelöst. Die Abgabe, die von der Landesapothekerkammer Hessen (LAK) nach einer Gesetzesänderung eingeführt wurde, hat viele langjährige Berufstätige dazu veranlasst, die Zahlung zu verweigern. Nun kämpfen die Behörden damit, das Geld einzutreiben – und greifen sogar zu kreativen Anreizen, um die widerwillige Gruppe umzustimmen.

Die undankbare Aufgabe, die Gebühr durchzusetzen, fiel dem jungen Mitarbeiter Leon-Luca Wagner-Neumann zu. Sein Auftrag: die Fährte von Dr. Roswitha Hinkebein aufnehmen, einer Apothekerin mit Zulassung seit 1972. Doch die über 70-jährige Fachfrau erwies sich als schwer greifbar – sie wich Telefonanrufen und persönlichen Besuchen aus, verwickelt in einen vollgepackten Tagesplan mit Morgengymnastik, Apothekenbesuchen und Kochkursen.

Wagner-Neumanns jüngster Versuch endete damit, dass Dr. Hinkebein in einen Reisebus stieg, um an einer Kaffee-und-Kuchen-Ausfahrt teilzunehmen – und ihn mit leeren Händen zurückließ. Auch die telefonischen Einkassierungsversuche scheiterten weitgehend, da viele ältere Apotheker die Zahlung schlicht verweigerten.

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Als Reaktion startete die von Abteilungsleiter Friedrich Geerth geführte LAK-Taskforce die "Aktion Abendsonne" (Codenamen KoReLa). Ihre "Service-Offensive" lockt mit Vergünstigungen wie VHS-Kursen, Aqua-Fitness-Angeboten oder einem Senioren-Nahverkehrsticket – doch nur für diejenigen, die brav zahlen. Doch der Widerstand bleibt hartnäckig: Fast 25.000 Apotheker protestierten bereits in Städten bundesweit.

Der Streit eskaliert zu einem Zeitpunkt, an dem die Gesundheitsfinanzkommission kurz davorsteht, Sparmaßnahmen vorzustellen, die Einsparungen in Höhe von zehntausenden Millionen im Gesundheitswesen zum Ziel haben. Dr. Andreas Gassen, Vorsitzender des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (KBV), warnte, dass Ärzte ihre Sprechstunden reduzieren müssten, falls die Honorare weiter gekürzt würden.

Die 40-Euro-Gebühr ist zum Zankapfel für Rentner unter den Apothekern geworden, von denen viele sie nach jahrzehntelanger Berufstätigkeit als ungerecht empfinden. Während die Proteste anschwellen und die Einkassierungsversuche ins Stocken geraten, zeigen die Anreize der LAK bei der entschlossenen Gruppe noch keine Wirkung. Unterdessen zeichnen sich weitere Kürzungen im Gesundheitssektor ab – und verschärfen die ohnehin angespannte Lage.

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