230 Millionen Frauen leiden unter Genitalverstümmelung – doch die Welt schweigt oft
Janos Pieper230 Millionen Frauen leiden unter Genitalverstümmelung – doch die Welt schweigt oft
Frauenverstümmelung betrifft weltweit Millionen Frauen und Mädchen
Neue Daten zeigen, dass 230 Millionen Frauen und Mädchen von weiblicher Genitalverstümmelung (FGM) betroffen sind – allein im letzten Jahrzehnt kamen 30 Millionen hinzu. Trotz Fortschritten in einigen Regionen bleibt die Finanzierung von Präventionsmaßnahmen dramatisch niedrig, sodass jährlich 4,4 Millionen Mädchen gefährdet sind.
Bei FGM werden die äußeren weiblichen Genitalien aus nicht-medizinischen Gründen verändert. Meist wird der Eingriff an Mädchen vor der Pubertät vorgenommen. Die Praxis ist in 94 Ländern dokumentiert, doch nur 58 haben sie explizit unter Strafe gestellt.
Seit 2023 haben drei Staaten – Kenia, Mali und Tansania – neue Gesetze gegen FGM eingeführt, was einen wichtigen Schritt im rechtlichen Schutz darstellt. Doch die Umsetzung bleibt lückenhaft, und in jedem vierten Fall wird der Eingriff zunehmend von medizinischem Fachpersonal durchgeführt. Diese Medicalisierung birgt die Gefahr, dass FGM gesellschaftlich akzeptabler erscheint.
Die Folgen sind schwerwiegend und langfristig: Betroffene leiden oft unter chronischen Schmerzen, Infektionen, Komplikationen bei Geburten und schweren psychischen Belastungen. In Europa leben etwa 600.000 Mädchen und Frauen mit diesen Spätfolgen. Die Vereinten Nationen haben sich zum Ziel gesetzt, FGM bis 2030 zu beenden – doch die aktuellen Finanzmittel reichen bei Weitem nicht aus, um dies zu erreichen.
Obwohl die neuen Verbote in Kenia, Mali und Tansania Fortschritte zeigen, stellt die Zunahme medizinisch durchgeführter FGM eine neue Herausforderung dar. Solange Millionen Mädchen jährlich gefährdet sind, sind strengere Kontrollen und mehr Mittel für Prävention unverzichtbar. Ohne entschlossenes Handeln wird das UN-Ziel, FGM bis 2030 zu beenden, unerreicht bleiben.