Wie ein Hamburger Verein mit gemeinsamen Mahlzeiten Kulturen verbindet
Janos PieperWie ein Hamburger Verein mit gemeinsamen Mahlzeiten Kulturen verbindet
Ein kleiner Hamburger Verein verändert leise, wie Einheimische und Neuankömmlinge über Essen zueinanderfinden. Das Projekt "Willkommensabendessen" bringt Menschen bei lockeren Mahlzeiten zusammen, um freundschaftliche Verbindungen über Kulturen hinweg zu knüpfen. Doch während die Nachfrage einst stark stieg, ist die Teilnahme in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen.
An einem kürzlichen Sonntagabend richtete Laura Trager in ihrem Zuhause ein "Blindes Essen" aus – ein Abend, bei dem sich vier Fremde mit unterschiedlichen Hintergründen zum ersten Mal an ihrem Tisch versammelten. Darunter waren Sevgi und Kadir, ein türkisches Paar, das vor politischer Verfolgung geflohen war.
Kadir, ein ausgebildeter Elektroingenieur, lebt nun mit seiner Familie in Deutschland und versucht, beruflich wieder Fuß zu fassen. Sevgi und er brachten als Geschenk selbstgemachte "Börek" mit – ein Gericht, das die Unterhaltung in Gang brachte. Die Gruppe sprach offen über Herausforderungen, darunter den angespannten Hamburger Wohnungsmarkt. Wie viele Neuankömmlinge teilt sich das Paar derzeit eine vorübergehende Unterkunft, während es nach einer eigenen Wohnung sucht.
Der Ansatz des Vereins ist einfach: Wöchentliche E-Mails informieren die Mitglieder über Neuigkeiten und anstehende Abendessen. Die Treffen finden in privaten Wohnungen statt, wo Gastgeber und Gäste auf Augenhöhe Essen und Geschichten teilen. Auf dem Höhepunkt im Jahr 2015 fanden wöchentlich etwa 120 solche Abendessen statt. Heute sind es nur noch 20 bis 30 pro Jahr.
Auch Sevgi und Kadir konzentrieren sich auf ihre Zukunft. Beide besuchen einen fortgeschrittenen Deutschkurs (Niveau C1), um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Ihr Ziel ist klar: Sie wollen in ihre Berufe zurückkehren und eine dauerhafte Wohnung finden.
Das "Willkommensabendessen"-Projekt läuft zwar in kleinerem Rahmen weiter, doch Neuankömmlinge wie Sevgi und Kadir finden hier nach wie vor Unterstützung, Sprachpraxis und ein Gefühl von Gemeinschaft durch gemeinsame Mahlzeiten. Der Verein bleibt vorerst eine leise, aber beständige Brücke zwischen den Kulturen in Hamburg.






