08 January 2026, 10:40

Warum scheitern Projekte für den Führerschein-Tausch gegen ÖPNV-Tickets?

Eine Straße mit Fahrzeugen und Text auf einem Präsentationsfolie.

Warum scheitern Projekte für den Führerschein-Tausch gegen ÖPNV-Tickets?

In mehreren deutschen Städten wurden in den vergangenen Jahren Modellprojekte erprobt, um Autofahrer zum Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr zu bewegen. Manche Programme boten finanzielle Anreize, andere stellten kostenlose Fahrkarten bereit. Doch durch Mittelknappheit und geringe Beteiligung stehen nun mehrere dieser Initiativen auf der Kippe.

In Hannover lief das Programm 'Fahrschein statt Führerschein' bis 2024: Rentner ab 60 Jahren konnten ihren Führerschein gegen ein kostenloses Nahverkehrsticket eintauschen. Über 8.300 Menschen machten mit, bevor das Projekt wegen fehlender Gelder eingestellt wurde.

Ein ähnliches Vorhaben in Göttingen gewährte Anwohnern bis zu 700 Euro, wenn sie ihr Auto für mindestens ein Jahr abmeldeten oder verschrotteten. Das Geld konnte für Busfahrkarten, Fahrräder oder Carsharing verwendet werden. Trotz zahlreicher Anfragen bewarben sich jedoch nur neun Personen, von denen acht genehmigt wurden. Nach der Ausschöpfung der Mittel nimmt das Programm keine neuen Antragsteller mehr auf. In der Region läuft seit 2019 zudem der 'Sichere-Fahrt-Schein', der Menschen ab 65 Jahren ein halbes Jahr lang ein kostenloses Regionalticket anbietet – vorausgesetzt, sie geben ihren Führerschein ab. Bisher haben sich über 1.200 Teilnehmer angemeldet.

In Bremerhaven ermöglicht das 'Umsteigen70'-Ticket Bewohnern ab 70 Jahren die kostenlose Nutzung des örtlichen Busverkehrs. Zudem dürfen sie abends, an Wochenenden und Feiertagen zusätzliche Erwachsene und Kinder mitnehmen. Bis Dezember 2023 hatten sich mehr als 1.500 Menschen registriert.

Der ADAC übt Kritik an solchen Programmen. Der Autoclub argumentiert, dass der bürokratische Aufwand oft in keinem Verhältnis zum Nutzen stehe. Stattdessen schlägt der Verband vor, die Mittel lieber in den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und von Radwegen zu investieren.

Da in einigen Regionen die Gelder aufgebraucht sind und andere mit geringer Resonanz kämpfen, bleibt die Zukunft dieser Autoverzichts-Initiativen ungewiss. Einige Projekte wurden bereits eingestellt, während andere vor der Frage der langfristigen Finanzierbarkeit stehen. Die Experimente zeigen, wie schwierig es ist – und wie begrenzt der Erfolg bleibt –, Autofahrer zu umweltfreundlicheren Verkehrsmitteln zu bewegen.