Warum Bayerns Hymne oft nur stumm mitgesummt wird – und wie ein Schlüsseldienst helfen wollte
Elsa JunckWarum Bayerns Hymne oft nur stumm mitgesummt wird – und wie ein Schlüsseldienst helfen wollte
Die Europahymne – eine instrumentale Version von Beethovens Ode an die Freude – steht für Freiheit, Frieden und Einheit. Doch selbst prominente Politiker tun sich schwer, ihre Worte zu erinnern – oder gar die ihrer eigenen Regionalhymnen. In Bayern hat ein langjähriges Problem mit vergessenen Texten zu ungewöhnlichen Bemühungen geführt, das öffentliche Gedächtnis aufzufrischen.
Die Melodie der Europahymne stammt aus dem Finalsatz von Beethovens Neunter Sinfonie. Ihr Text, inspiriert von Friedrich Schillers Gedicht, erwähnt das Elysium und einen Cherub, wird aber kaum je gesungen. Stattdessen erklingt das Stück ohne Worte und überlässt es der Musik, die Botschaft der Solidarität über den Kontinent zu tragen.
In Bayern sieht die Lage anders aus. Die meisten Einwohner kennen vom Bayernlied, der Landes hymne, nur die erste Zeile. Der ehemalige Ministerpräsident Edmund Stoiber stand einst schweigend während einer Aufführung da und bewegte nur stumm die Lippen, nachdem ihm der Rest des Textes entfallen war. Selbst sein Nachfolger Markus Söder gab zu, unsicher über die Worte der Europahymne zu sein. Ein Bayer nahm die Sache schließlich selbst in die Hand: Rudolf Hierl, ein Münchner Schlüsseldienstmeister, druckte und verteilte über eine halbe Million Textkarten mit dem Bayernlied. Seine Kampagne sollte den Menschen helfen, sich an die Worte zu erinnern – doch vergleichbare Initiativen gab es in jüngerer Zeit nicht.
Die Kluft zwischen symbolträchtigen Hymnen und dem öffentlichen Bewusstsein bleibt groß. Während Beethovens Ode an die Freude weiter als wortlose europäische Ikone erklingt, sind die Bayern auf Gedächtnisstützen für ihre eigene Hymne angewiesen. Ohne neue Anstöße könnten die Texte beider Lieder weiter in Vergessenheit geraten.