Radikale Klimapläne: Deutschland soll Millionen Hektar Moor bis 2045 renaturieren
Maximilian SchönlandRadikale Klimapläne: Deutschland soll Millionen Hektar Moor bis 2045 renaturieren
Ein neuer Bericht schlägt weitreichende Reformen der deutschen Flächennutzungspolitik vor, um die Klimaziele zu erreichen. Der Wissenschaftliche Beirat für Natürlichen Klimaschutz (WBN) übergab seine Empfehlungen an Bundesumweltminister Carsten Schneider. Zu den zentralen Maßnahmen gehören ein Stopp der Holznutzung in alten Buchenwäldern sowie die Renaturierung großer Moorflächen bis 2045.
Der Bericht plädiert dafür, die kommerzielle Holznutzung auf 110.000 Hektar alter Buchenwälder zu beenden. Allein diese Maßnahme könnte den Ausstoß von zusätzlich zwei Millionen Tonnen Kohlenstoff pro Jahr verhindern. Zudem fordert der Beirat, jährlich etwa 50.000 Hektar Moore wiederherzustellen – mit dem Ziel, bis 2045 eine Million Hektar zu renaturieren. Dies entspräche rund 80 Prozent der derzeit landwirtschaftlich genutzten Moorflächen in Deutschland.
Die Renaturierung einer Million Hektar Moore könnte die jährlichen CO₂-Emissionen um etwa 40 Millionen Tonnen senken. Um diese Veränderungen wirtschaftlich tragfähig zu gestalten, empfiehlt der Bericht den Einsatz von Paludikultur – einer nassen Bewirtschaftungsmethode, die Feuchtgebiete erhält und gleichzeitig lokale Wirtschaftskreisläufe stärkt. Subventionen für die Entwässerung von Mooren, darunter auch EU-Agrarzahlungen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), sollten schrittweise abgebaut werden, sobald eine Renaturierung möglich ist.
Der Beirat setzt sich zudem für klimafreundliche Anbaumethoden wie Agroforstwirtschaft, Streifenanbau und Mischkulturen ein. Diese Ansätze könnten helfen, Emissionen zu reduzieren, ohne die Produktivität der Flächen zu beeinträchtigen. Bisher wurden im Rahmen des NABU-Klimafonds bereits rund 3.200 Hektar Moorflächen für die Wiedervernässung gesichert; bis Ende des Jahres sollen weitere 1.100 Hektar folgen. Vorreiter bei der Wiedervernässung sind Schleswig-Holstein und Niedersachsen im Rahmen des OptiMuM-Projekts.
Laut Bericht reicht es jedoch nicht aus, sich allein auf freiwillige Maßnahmen zur Moorrestaurierung zu verlassen, um die gesetzten Ziele zu erreichen.
Würden die Vorschläge umgesetzt, könnten die Emissionen aus dem Bereich Flächennutzung in Deutschland deutlich sinken. Im Mittelpunkt stehen die Wiedervernässung von Mooren, das Ende schädlicher Subventionen und der Übergang zu nachhaltigen Bewirtschaftungsmethoden. Die Bundesregierung wird die Empfehlungen nun prüfen, bevor über das weitere Vorgehen entschieden wird.