Mainz streicht tausende Häuser grün – und nennt es Stadtbegrünung
Maximilian SchönlandMainz streicht tausende Häuser grün – und nennt es Stadtbegrünung
Mainz setzt auf radikale neue Strategie für urbanes Grün – und streichen tausende Gebäude einfach grün an
Mainz hat einen radikalen neuen Ansatz für die Stadtbegrünung angekündigt: Statt auf klassische Methoden wie Parks oder Baumpflanzungen zu setzen, werden tausende Gebäude kurzerhand grün angestrichen. Damit wendet sich die Stadt nach jahrelangen zähen Diskussionen über Umweltverbesserungen von herkömmlichen Konzepten ab – das Projekt soll bis Jahresende rund 10 Millionen Euro kosten.
Die Entscheidung markiert eine deutliche Kehrtwende in der Mainzer Umweltpolitik. Jahrelang hatten Verantwortliche über die Ausweitung von Grünflächen debattiert, doch konkrete Fortschritte blieben aus. Nun werden statt Bäumen zu pflanzen oder Parks anzulegen Fassaden in großen Teilen der Stadt neu gestrichen, darunter am Marktplatz, im Stadtteil Neustadt und am Staatstheater. Auch der Leichhof-Friedhof ist Teil der Aktion, während die Beteiligung des Mainzer Doms noch unklar ist.
Hinter der Initiative steht ein neues EU-Förderprogramm, das großzügige Zuschüsse für ökologische Stadtprojekte bereitstellt. Rund zwölf deutsche Städte haben bereits ähnliche Vorhaben umgesetzt und setzen auf biokatalytische Farben, die Algenwachstum fördern – mit kühlender Wirkung und positiven Effekten für die Artenvielfalt. Berlin machte 2023 mit einem Pilotprojekt in Neukölln den Anfang, gefolgt von München und Hamburg 2024. Mainz jedoch verzichtet auf solche ökologischen Nebeneffekte: Hier geht es rein um die Optik – Algen oder Kühleffekte sind nicht vorgesehen.
Doch die jüngsten Bauprojekte in der Stadt litten unter Verzögerungen und Umplanungen, ihre Zukunft steht infrage. Künftig müssen alle Neubauten laut neuer Vorgabe grüne Fassaden aufweisen. Der Grün-Trend beschränkt sich nicht auf Gebäude: Die Polizei kehrt zu grünen Uniformen zurück, und sogar der Fußballverein 1. FSV Mainz 05 wird künftig in grünen Trikots auflaufen. Kritiker monieren jedoch, dass die ursprünglichen Umweltziele der Stadt – etwa die tatsächliche Vermehrung von Grünflächen – leise fallen gelassen wurden.
Bis 2027 wird das Anstrichprojekt Mainz etwa 10 Millionen Euro kosten. Tausende Gebäude erhalten einen grünen Anstrich, Neubauten müssen die Farbvorgabe erfüllen. Die Maßnahme passt zwar zu den EU-Förderrichtlinien, ersetzt aber die früheren Pläne, natürliche Grünflächen in der Stadt auszuweiten.






