EU-Mercosur-Abkommen unterzeichnet – doch die Umsetzung bleibt ungewiss
Margret auch SchlauchinEU-Mercosur-Abkommen unterzeichnet – doch die Umsetzung bleibt ungewiss
EU und Mercosur unterzeichnen historisches Freihandelsabkommen – doch die Umsetzung stockt
Am 17. Januar 2026 unterzeichneten die EU und der Mercosur ein bahnbrechendes Freihandelsabkommen und setzten damit nach 25 Jahren Verhandlungen einen Schlussstrich. Die in Asunción, Paraguay, besiegelte Vereinbarung soll – bei vollständiger Umsetzung – die größte Freihandelszone der Welt nach Einwohnerzahl schaffen. Doch die vorläufige Anwendung verzögert sich nun aufgrund einer Prüfung durch das Europäische Parlament, die bis zu zwei Jahre dauern könnte.
Noch am selben Tag kündigte der damalige US-Präsident Donald Trump neue Zölle an, die auch Deutschland treffen sollten – und verschärfte damit die Spannungen in den globalen Handelsdebatten.
Das Abkommen hatte bereits am 9. Januar die Zustimmung von 21 der 27 EU-Mitgliedstaaten erhalten. Die Regierungen sehen darin einen Schritt zu fairerem Handel und engeren geopolitischen Bindungen. Die Mercosur-Staaten begrüßten die Einigung ohne öffentlichen Widerspruch, doch unmittelbare wirtschaftliche oder politische Veränderungen blieben in den Mitgliedsländern bisher aus.
In Deutschland fällt die Reaktion gespalten aus. Über 80 kleine und mittlere Unternehmen in Niedersachsen sind auf den Handel mit den Mercosur-Ländern angewiesen; langjährige Beziehungen sichern dort lokale Arbeitsplätze. Doch aus der Landwirtschaft kommen Warnsignale. Der Deutsche Bauernverband warnte, dass Sektoren wie Rindfleisch, Geflügel, Zucker und Ethanol unter dem Abkommen unter Druck geraten könnten.
Auch aus der Region selbst gibt es Kritik. Hendrik Rump, Vorsitzender des Landvolk Niedersachsen, warf der Politik vor, die Landwirtschaft gegenüber Branchen wie Volkswagen zu vernachlässigen. Professor Heralt Schöne hingegen mahnte, dass eine Blockade solcher Handelsabkommen Europas globalen Einfluss schwächen und Konkurrenten wie China in die Hände spielen könnte.
Die vorläufige Aussetzung der Umsetzung heizt die Debatte weiter an. Manche sehen darin einen Vertrauensverlust im internationalen Handel, andere halten sie für einen notwendigen Schritt zur gründlichen Prüfung. Bis auf Weiteres gelten die bisherigen Handelsregeln – das Abkommen wartet noch auf die finale Freigabe.
Das EU-Mercosur-Abkommen bleibt damit vorerst in der Schwebe, während das Europäische Parlament mit seiner Prüfung beginnt. Bei einer Genehmigung könnte es die Handelsströme zwischen den beiden Blöcken neu ordnen – mit Auswirkungen auf Branchen von der Landwirtschaft bis zur Industrie. Bis dahin werden Unternehmen und Politiker jede Veränderung in den globalen Handelsdynamiken genau beobachten.