01 February 2026, 06:39

EU-Mercosur-Abkommen auf dem Prüfstand: Hannover bangt um wirtschaftliche Chancen

Eine Säulen diagram mit der Bezeichnung "Verkauf von Personenkraftwagen in den Vereinigten Staaten" mit mehreren Säulen unterschiedlicher Höhe, die verschiedene Handelsperioden darstellen.

Onay: Mercosur-Streit trifft Hannover hart - EU-Mercosur-Abkommen auf dem Prüfstand: Hannover bangt um wirtschaftliche Chancen

EU-Mercosur-Handelsabkommen in der Schwebe: Europäisches Parlament leitet juristische Prüfung ein

Das im Januar 2023 abgeschossene EU-Mercosur-Handelsabkommen steht nach einer Überweisung zur rechtlichen Prüfung durch das Europäische Parlament vor ungewisser Zukunft. Die Vereinbarung sollte über 700 Millionen Menschen in der EU und dem südamerikanischen Mercosur-Block – bestehend aus Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay – durch den Abbau von Zöllen und Handelsbarrieren enger verbinden. Doch politische Gräben haben die Ratifizierung verzögert und scharfe Kritik von Wirtschaftsvertretern sowie lokalen Politikern ausgelöst.

Das Abkommen sollte ein zentraler Programmpunkt der Hannover 96 2023, der weltweit größten Industriemesse, werden, für die Brasilien als Partnerland vorgesehen war. Kommunale Spitzenkräfte wie Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay sahen darin eine historische Chance für die hiesige Automobilindustrie, neue Absatzmärkte zu erschließen. Onay hatte das Abkommen zuvor als "Tor zu neuen Märkten" für Hersteller und Zulieferer bezeichnet.

Doch die jüngste Entscheidung des Europäischen Parlaments, den Vertrag einer richterlichen Überprüfung zu unterziehen, hat diese Hoffnungen gedämpft. Onay bezeichnete den Schritt als "historischen Fehler" und warnte, er ignoriere geopolitische Realitäten und gefährde die Wirtschaft der Region Hannover – insbesondere den Automobilsektor, einen der wichtigsten Arbeitgeber vor Ort.

Die Überweisung an den Gerichtshof erfolgte auf Initiative mehrerer Abgeordneter der deutschen Grünen, was innerparteiliche Spannungen ausgelöst hat. Zwar gibt es bisher keine direkten Auswirkungen auf die Hannover 96 2024, doch die Verzögerung wirft Fragen auf, ob und wann das Handelsabkommen überhaupt in Kraft treten wird. Nach einer Ratifizierung würde es eine der größten Freihandelszonen der Welt schaffen – doch seine Zukunft hängt nun von der juristischen Bewertung ab.

Während der Europäische Gerichtshof die Vertragsbedingungen prüft, bleibt das Abkommen in der Warteschleife. Für Hannover und andere Industriezentren bedeutet die Unsicherheit anhaltende Risiken für Marktzugänge und wirtschaftliches Wachstum. Die endgültige Entscheidung wird zeigen, ob jahrelange Verhandlungen in konkrete Handelsvorteile münden – oder im politischen Stillstand enden.