Energiewende in Deutschland scheitert an überlasteten Stromnetzen und Bürokratie
Maximilian SchönlandEnergiewende in Deutschland scheitert an überlasteten Stromnetzen und Bürokratie
Ein Bündnis aus 13 Branchenverbänden fordert einen schnelleren Zugang zu den Stromnetzen, um die Energiewende in Deutschland zu beschleunigen. Unter der Führung des Bundesverbandes Neue Energiewirtschaft (BNE) warnt die Allianz, dass Verzögerungen bei Netzanbindungen erneuerbare Energieprojekte und Unternehmen blockieren. In ihrem Appell 'Sicherer Netzzugang – Zukunft ermöglichen' verlangen sie von Politik und Netzbetreibern sofortiges Handeln.
Die Koalition verweist auf massive Engpässe bei der Netzkapazität, insbesondere für Solarenergie und die Ladeinfrastruktur von Elektrofahrzeugen. Laut dem Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA) müssen Mieterstromprojekte im Schnitt 278 Tage auf einen Netzanschluss warten. Gleichzeitig kämpft der Handelsverband Deutschland (HDE) damit, bei seinen Mitgliedern Solaranlagen und E-Ladesäulen zu installieren – die Netzkapazitäten sind schlicht erschöpft.
Ein Beispiel für die Problematik ist Leda, ein Herdhersteller aus Leer (Ostfriesland). Das Unternehmen benötigt einen sieben Megawatt starken Anschluss für seinen Elektroofen, bekommt ihn aber nicht zugewiesen. Der lokale Netzbetreiber hat bereits 40 Megawatt an Batteriespeicherprojekte vergeben, sodass für neue Industrieanschlüsse kaum Spielraum bleibt. Ein Ausbau der örtlichen Umspannstation ist erst für 2032 geplant – Leda muss daher jahrelang auf konventionellen Strom zurückgreifen. Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) lehnt es ab, dass die Energiewende wegen der Netzengpässe gebremst werden soll. Stattdessen fordert der Verband, dass der Netzausbau vor der vollständigen Umsetzung der Energiewende erfolgen muss. Bis 2030 wird der deutsche Strombedarf auf 600 bis 700 Terawattstunden steigen – weit über die heutige Kapazität hinaus.
Robert Busch, Geschäftsführer des BNE, drängt auf eine schnellere Digitalisierung der Netze und die zügige Umsetzung der Maßnahmen aus dem Dialog 'Beschleunigter Netzanschluss'. Noch vor Kurzem blieben 80 Prozent der Anschlussanfragen bei Netzbetreibern unbeantwortet, auch wenn sich die Bearbeitungsquote inzwischen leicht verbessert hat. Lars Petereit, Geschäftsführer der Bundesvereinigung Neue Energiewirtschaft (BDEW), hat den Appell der Koalition mitveröffentlicht.
Die Forderungen des Bündnisses zielen darauf ab, bürokratische Hürden abzubauen und die Modernisierung der Netze zu beschleunigen. Ohne schnellere Anschlüsse bleiben erneuerbare Projekte und Unternehmen wie Leda in langwierigen Genehmigungsverfahren stecken. Der Appell betont: Der Netzausbau muss als Priorität behandelt werden – und nicht als nachrangige Aufgabe –, wenn Deutschland seine Energieziele erreichen will.