02 April 2026, 14:19

EMAF-Festival in Osnabrück: Warum ein palästinensischer Kurzfilm für politische Zündstoff sorgt

Plakat für ein Münchner Festival mit einem Bild einer Frau unter Menschen und Bäumen mit Text.

EMAF-Festival in Osnabrück: Warum ein palästinensischer Kurzfilm für politische Zündstoff sorgt

Europäisches Medienkunstfestival (EMAF) in Osnabrück gerät wegen Filmvorführung in die Kritik

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Das Europäische Medienkunstfestival (EMAF) in Osnabrück sieht sich mit massiver Kritik konfrontiert, nachdem es beschlossen hat, den Kurzfilm Morning Circle der palästinensischen Künstlerin Larissa Sansour, die auch unter dem Namen Al-Sharif bekannt ist, zu zeigen. Der Streit entzündet sich dabei nicht an dem Werk selbst, das Ende April präsentiert werden soll, sondern an ihren politischen Äußerungen in den sozialen Medien. Kritiker werfen ihr vor, mit ihren Posts die Boykott-, Desinvestitions- und Sanktionen-Bewegung (BDS) zu unterstützen, während Befürworter betonen, ihre Kunst biete eine notwendige palästinensische Perspektive.

Die Kontroverse hat bereits zu einer öffentlichen Distanzierung vom Festival geführt: Sowohl der Osnabrücker Stadtrat als auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) haben ihre Unterstützung zurückgezogen.

Die Entscheidung des EMAF, Al-Sharifs Film ins Programm aufzunehmen, hat eine hitzige Debatte ausgelöst. Besonders ihre Aktivitäten in den sozialen Medien – darunter ein Halloween-Foto mit einem roten Dreieckssymbol – werden von den Festivalverantwortlichen als mehrdeutig interpretiert. Zwar betont das EMAF, dass das Kunstwerk selbst nicht politisch sei, doch Kritiker sehen in ihrer Online-Präsenz eine Förderung antisemitischer Haltungen.

Die BDS-Bewegung ist in Deutschland seit 2021 ein stark umkämpftes Thema. Mehrere Landesparlamente haben Resolutionen gegen sie verabschiedet und sie als antisemitisch eingestuft, während ihre Unterstützer sie als Solidaritätsbekundung mit Palästina verstehen. Durch Künstlerboykotte und Kampagnen an Universitäten hat die Bewegung an Sichtbarkeit gewonnen – und damit auch die gesellschaftliche Spaltung vertieft.

Osnabrücks Kulturdezernent Wolfgang Beckermann (parteilos) erklärte, er hätte es vorgezogen, Al-Sharifs Werk aus dem Programm zu nehmen, um nicht den Anschein zu erwecken, antisemitische Rhetorik zu billigen. Dennoch bleibt die städtische Förderung des EMAF unverändert. Thomas Groß, Oberbürgermeisterkandidat der Linken, hingegen verteidigte das Festival und warnte davor, palästinensische Stimmen unter dem Vorwand der Antisemitismusbekämpfung zum Schweigen zu bringen.

Das EMAF betont seine Verpflichtung zu vielfältigen Perspektiven und hat in der Vergangenheit bereits mit palästinensischen Künstlern zusammengearbeitet, während gleichzeitig jüdische und israelische Stimmen in seinem Programm vertreten sind. Die Landesregierung, die zwar die Unabhängigkeit des Festivals respektiert, bekräftigte erneut ihre ablehnende Haltung gegenüber Antisemitismus und rief zu einem respektvollen Miteinander auf.

Die Vorstellung von Morning Circle wird wie geplant stattfinden – allerdings ohne die Rückendeckung der Osnabrücker Stadtspitze oder der Landesregierung. Die Debatte zeigt die anhaltenden Spannungen zwischen künstlerischer Freiheit, politischer Meinungsäußerung und den Grenzen des sagbaren Diskurses in Deutschland auf. Die Entscheidung des EMAF, an seinem Programm festzuhalten, unterstreicht seinen Standpunkt für einen offenen Dialog, trotz wachsender Gegenstimmen.

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