Die Wahrheit
Die Wahrheit
Allgegenwärtig in Bayern: Vor Weihnachten ist das Gedicht „Heilige Nacht“ des noch immer beliebten Antisemiten Ludwig Thoma in Bayern omnipräsent.
Ludwig Thomass Name prägt noch immer Straßen und Schulen in Oberbayern – trotz seiner antisemitischen Schriften. Sein umstrittenes Gedicht „Heilige Nacht“ ist in der Region eine fest verankerte Weihnachtstradition, die seit Jahrzehnten aufgeführt wird. Doch Versuche, nach ihm benannte Orte umzubenennen, scheitern immer wieder.
Thomass antisemitische Artikel, veröffentlicht im „Miesbacher Anzeiger“, sind gut dokumentiert. In „Heilige Nacht“ schildert er die Reise von Maria und Josef nach Bethlehem mit abwertendem Dialekt und Klischees. Seit über 25 Jahren inszeniert der Schauspieler Enrico de Paruta das Gedicht als Teil einer beliebten Weihnachtsveranstaltung in Bayern.
Die Umbenennung von Straßen oder Schulen, die nach Thoma benannt sind, gestaltet sich schwierig. Rechtliche Hürden, hohe Kosten und Widerstand aus der Bevölkerung blockieren solche Vorhaben. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter sprach sich öffentlich gegen die Umbenennung einer nach Thoma benannten Straße aus. Ähnlicher Widerstand verzögerte auch andere Umbenennungsprojekte, wie im Fall der Mohrenstraße, wo Gerichte den Prozess vorübergehend stoppten. Eltern in Oberbayern haben oft keine Alternative, als ihre Kinder auf Schulen zu schicken, die Thomass Namen tragen. Zwar gibt es keine dokumentierten Gruppen, die sich aktiv gegen Umbenennungen stellen – doch die Sympathien für den Autor halten sich hartnäckig. So bleiben viele Orte weiterhin nach ihm benannt, trotz seines umstrittenen Erbes.
Thomass Werke werden in Bayern jedes Jahr zu Weihnachten rezitiert und gefeiert. Die rechtlichen und gesellschaftlichen Hindernisse bei der Umbenennung von Straßen oder Schulen sorgen dafür, dass sein Name im öffentlichen Raum präsent bleibt. Ohne stärkeren öffentlichen Druck auf Veränderung wird sich an diesem Zustand vorerst wenig ändern.