David Lowerys Mother Mary zeigt Anne Hathaway als zerbrochene Popikone auf Abwegen
Janos PieperDavid Lowerys Mother Mary zeigt Anne Hathaway als zerbrochene Popikone auf Abwegen
David Lowerys neuer Film Mother Mary begleitet einen gequälten Popstar auf der Suche nach sich selbst
In Mother Mary, dem neuesten Werk von Regisseur David Lowery (A Ghost Story, The Green Knight), steht eine von Selbstzweifeln zerrissene Musikikone im Mittelpunkt, die mit Ruhm, Liebe und inneren Dämonen ringt. Anne Hathaway verkörpert Mary, eine Künstlerin, die von ihrem öffentlichen Image und vergangenen Beziehungen verfolgt wird. Die Handlung verbindet rohe Emotionen mit surreale Elementen – von Paartherapie-Szenen bis zu übernatürlichen Ritualen.
Marys Leben gerät zunehmend außer Kontrolle, während sie sich auf ein riskantes Comeback vorbereitet. Auf der Suche nach einem Neuanfang wendet sie sich an ihre Ex-Geliebte, die Modedesignerin Sam, gespielt von Michaela Coel. Ihre gemeinsame Vergangenheit ist von tiefen Wunden geprägt, die durch Marys jüngstes Ghosting noch verschärft werden.
Die Konzertszenen des Films sind atemberaubend: futuristischer Stadion-Pop verschmilzt mit der Feierlichkeit einer katholischen Messe. Diese Momente stehen in scharfem Kontrast zu Marys privaten Kämpfen, in denen Mode zu einem Schlüssel wird, um ihre Gefühle zu entschlüsseln – Kleidung dient ihr als emotionales Gerüst.
Lowery, bekannt für seine atmosphärisch dichten Werke, lotet erneut Stimmungen aus, die sich einer einfachen Deutung entziehen. Hier inszeniert er Popmusik als Maschine zur Konstruktion von Identitäten, durchzogen von einer gothischen Interpretation von „grausamem Optimismus“. Die Handlung eskaliert zu einem chaotischen Mix aus Therapie, kreativer Verzweiflung und sogar einer Exorzismus-Szene, die Marys Dämonen austreiben soll.
Hathaways Darstellung balanciert zwischen glanzvoller Hollywood-Eleganz und einem wachsenden Gefühl des Zusammenbruchs. Die Reise ihrer Figur – teils Wiederbegegnung, teils Abrechnung – entfaltet sich in einer Welt, in der Kunst, Liebe und Wahnsinn verschwimmen. Am Ende bleibt Marys Schicksal an ihre Fähigkeit geknüpft, sich ihrer Vergangenheit und den von ihr erschaffenen Identitäten zu stellen.
Mit seiner Mischung aus Spektakel und Intimität hinterfragt Mother Mary den Preis der Neu-Erfindung. Lowerys unverkennbarer Stil sorgt dafür, dass die Geschichte lange nach dem Abspann nachwirkt.






