Cottbus feiert größten Pride-Marsch – doch rechtsextreme Gewalt droht im Schatten
Janos PieperCottbus feiert größten Pride-Marsch – doch rechtsextreme Gewalt droht im Schatten
Cottbus verzeichnete am Samstag die größte Pride-Parade seiner Geschichte mit dem Motto 'Vereint in Frieden und Vielfalt'. Rund 1.000 Teilnehmer versammelten sich zur bislang größten Christopher-Street-Day-Demonstration (CSD) in Cottbus. Die Veranstaltung fand vor dem Hintergrund steigender Spannungen statt: Angriffe auf queere Räume und die Angst vor rechtsextremer Gewalt hatten die Bereitschaft von Ehrenamtlichen gedämpft. Trotz dieser Herausforderungen zogen Aktivist:innen und Unterstützer:innen durch die Stadt, um für mehr Akzeptanz und politische Reformen zu kämpfen.
Die 17. Auflage des Cottbuser CSD begann mit einem bunten Umzug, angeführt von der Dragqueen Miss Cherry Moonshine und einem Storch in roten Hosen, der einen Korb mit Kondomen trug. Dahinter entfaltete sich eine 20 Meter lange Regenbogenflagge, begleitet von kreativen Parolen wie 'Queer, sexy, sorbisch' oder 'Als wir mehr Rechte forderten, meinten wir nicht mehr verdammte Nazis'.
Die Organisator:innen berichteten von wachsenden Sicherheitsbedenken: Im Oktober und November 2025 waren zwei queere Zentren – das Kulturzentrum Bunte Welt in Sachsendorf und der Jugendclub Chekov – Ziel von Angriffen geworden. Erst in der vergangenen Woche erlebte das Regenbogenkombinat einen mutmaßlichen Brandanschlag, während am Freitag die Regenbogenflaggen am Sitz der CSD-Veranstalter beschädigt wurden. Auch vor dem Büro einer Sozialarbeiterin wurde die Flagge wiederholt abgerissen.
Etwa 200 Unterstützer:innen reisten aus anderen Städten an, um am Marsch teilzunehmen. Einige gerieten am Bahnhof jedoch in verbale Auseinandersetzungen mit Fans des FC Energie Cottbus. Gleichzeitig formierten sich zwei rechtsextreme Gegenproteste zu einer gemeinsamen Kundgebung mit rund 90 Teilnehmer:innen, die 'Unsere Stadt bleibt hetero!' skandierten.
In Reden auf Ukrainisch, Russisch, Arabisch und Polnisch wurde auf die Kämpfe queerer Communities im Ausland aufmerksam gemacht. Organisator Christian Müller betonte die Schwierigkeiten bei der Gewinnung von Freiwilligen – viele fürchteten Gewalt. Zu den Forderungen gehörten eine Aufstockung des Budgets für den Aktionsplan Queeres Brandenburg sowie stärkere Schutzmaßnahmen gegen Diskriminierung.
Die Parade verzeichnete zwar einen Rekordzuspruch, doch der Schatten rechtsextremer Feindseligkeit blieb präsent. Angesichts der zunehmenden Angriffe auf queere Räume und der Zurückhaltung von Ehrenamtlichen unterstrichen die Veranstalter:innen die Dringlichkeit politischer Veränderungen und gesellschaftlicher Solidarität. Die Botschaft des CSD reichte dabei über Deutschland hinaus – sie gab auch jenen eine Stimme, die in Ländern leben, in denen LGBTQ+-Rechte noch stärker bedroht sind.