Buchhandlungspreis: ver.di wirft Minister Zensur vor – drei Läden gestrichen
Janos PieperBuchhandlungspreis: ver.di wirft Minister Zensur vor – drei Läden gestrichen
Die Gewerkschaft ver.di hat die Entscheidung von Kulturminister Wolfram Weimer scharf kritisiert, drei Buchhandlungen von der Shortlist des Deutschen Buchhandlungspreises zu streichen. Betroffen sind unter anderem die Rote Straße in Göttingen und The Golden Shop, die beide mit dem ver.di-Landesverband verbunden sind. Der Schritt löste Empörung aus – Kritiker sprechen von einer Bedrohung der kulturellen Freiheit.
Weimer begründete den Ausschluss mit "verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen". Er warf den Läden in Leipzig, Hamburg und München vor, in ihren Social-Media-Auftritten und Veranstaltungen "extreme politische Positionen" zu verbreiten, darunter Verschwörungstheorien, Falschnachrichten und antisemitische Tendenzen. Die Entscheidung fiel, obwohl eine unabhängige Jury die Buchhandlungen bereits für den Preis 2026 ausgewählt hatte.
Andrea Wemheuer, Leiterin des ver.di-Landesverbands, bezeichnete den Schritt als "katastrophal". Sie betonte die Rolle von Buchhandlungen als unverzichtbare Orte des kulturellen Austauschs und zeigte sich solidarisch mit den betroffenen Betrieben. Auch die Verlags- und Buchbranche stellte sich hinter die ausgeschlossenen Läden und kritisierte den Eingriff des Ministers.
Die Kontroverse wirft die Frage nach dem Spannungsverhältnis zwischen staatlicher Aufsicht und künstlerischer Freiheit auf. Während Weimers Ministerium auf rechtliche Bedenken verweist, warnen Gegner vor einem gefährlichen Präzedenzfall für Zensur in kulturellen Einrichtungen.
Die ausgeschlossenen Buchhandlungen blicken nun unsicher in die Zukunft, was ihre weitere Teilnahme am Preis angeht. Die scharfe Reaktion von Gewerkschaften und Branchenvertretern deutet darauf hin, dass die Debatte über kulturelle Freiheit und staatliche Einmischung anhalten wird. Weimers Entscheidung hat bereits Forderungen nach mehr Transparenz im Auswahlverfahren ausgelöst.