Biennale Venedig 2025: Jury-Rücktritt erschüttert Kunstfestival unter "In Moll"
Elsa JunckBiennale Venedig 2025: Jury-Rücktritt erschüttert Kunstfestival unter "In Moll"
Die 61. Biennale Venedig hat für das Publikum geöffnet – mit 100 Nationalpavillons und 111 teilnehmenden Künstlern und Künstlerinnen. Unter dem Motto „In Moll“ ist die Veranstaltung zum Zentrum einer Kontroverse geworden, nachdem die gesamte Jury aus Protest zurückgetreten ist. Ihr Boykott richtete sich gegen Israel und Russland und brachte politische Spannungen in das traditionell kunstorientierte Festival.
Die internationale Jury hatte angekündigt, Länder auszuschließen, deren Regierungen sich Vorwürfen von Verbrechen gegen die Menschlichkeit ausgesetzt sehen. Diese Entscheidung führte zur Verschiebung der Verleihung des Goldenen Löwen, der durch die neu eingeführten „Besucher-Löwen“ ersetzt wurde – eine Auszeichnung, die nun per Publikumswahl vergeben wird. Kurz darauf traten alle fünf Jurymitglieder zurück, sodass die Biennale ohne ihr übliches Preisgefüge auskommen muss.
Der portugiesische Beitrag, Alexandre Estrelas „RedSkyFalls“, wird im Palazzo Fondaco Marcello gezeigt. Estrela positionierte sich öffentlich gegen die Teilnahme Russlands und Israels und heizte damit die Debatte weiter an. Israels Ausstellung „Rose of Nothingness“ bleibt im Arsenale zu sehen, während Russland – das 2022 und 2024 nicht vertreten war – für 2025 mit „The Tree Is Rooted in the Sky“ (dt. „Der Baum hat seine Wurzeln im Himmel“) eine Rückkehr plant.
Die Biennale-Stiftung und die italienische Regierung lehnten den Boykott ab und betonten die institutionelle Neutralität des Festivals. Gleichzeitig läuft die Veranstaltung noch bis zum 22. November mit 31 Begleitausstellungen in ganz Venedig. Die Preise, deren Bekanntgabe verschoben wurde, sollen nun erst am letzten Tag verliehen werden.
Der Boykott hat die diesjährige Biennale geprägt: Statt Jury-Entscheidungen bestimmen nun die Besucher über die Auszeichnungen. Mit 31 Begleitprojekten und Pavillons von Brasilien bis Osttimor setzt sich das Festival trotz der Kontroverse fort. Die finalen Preise werden bei der Schließung der Ausstellung Ende November verkündet.






