Bahnchaos lähmt Stahl-, Chemie- und Autoindustrie: Lieferketten am Limit
Janos PieperBahnchaos lähmt Stahl-, Chemie- und Autoindustrie: Lieferketten am Limit
Bauarbeiten und anhaltende Störungen im Schienennetz der Deutschen Bahn verursachen massive Verzögerungen in Schlüsselbranchen der deutschen Wirtschaft. Die Stahl-, Chemie- und Automobilindustrie leiden unter der verringerten Transportkapazität und unzuverlässigen Zugverbindungen, die die Lieferketten schwer belasten.
Die Stahlindustrie ist in besonderem Maße auf den Schienengüterverkehr angewiesen – fast 50 Prozent aller Transporte erfolgen laut Wirtschaftsvereinigung Stahl per Bahn. Große Hersteller wie Salzgitter und ArcelorMittal haben aufgrund der Verspätungen bereits die Produktion gedrosselt. Sowohl Rohstoffe als auch fertige Stahlerzeugnisse werden primär auf der Schiene bewegt.
Auch die Chemiebranche kämpft mit den Folgen: Rund 25 Millionen Tonnen an Chemikalien und Produkten werden jährlich per Bahn transportiert. Verspätete Rohstofflieferungen und begrenzte Lagerkapazitäten für Fertigwaren zwingen Unternehmen zu Produktionsstopps. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) meldet steigende Kosten und betriebliche Ausfälle in der gesamten Branche.
In der Automobilindustrie führt die knappe Transportkapazität dazu, dass einige Hersteller wieder vermehrt auf den Lkw-Verkehr ausweichen. VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup fordert von der Deutschen Bahn sofortiges Handeln: bessere Planung, Koordination und eine prioritäre Behandlung von Güterzügen. Güterverkehr müsse auf Ausweichstrecken Vorrang haben, da Ersatzbusse schwere Industriegüter nicht transportieren könnten.
Die Industrieverbände drängen auf schnelle Lösungen für die Bahnkrise. Ohne zuverlässige Güterverkehrsverbindungen werden Produktionskürzungen und höhere Kosten die wichtigsten deutschen Industriebranchen weiter belasten. Die Situation unterstreicht die entscheidende Rolle der Schiene für funktionierende Lieferketten.
