Apotheker fordert Günther Jauch heraus: "Erleben Sie die Krise der Nachbarschaftsapotheken!"
Janos PieperApotheker fordert Günther Jauch heraus: "Erleben Sie die Krise der Nachbarschaftsapotheken!"
Gernot Pohl, Inhaber der Marien-Apotheke in Saal an der Donau, hat den TV-Moderator Günther Jauch eingeladen, die Not der örtlichen Apotheken vor Ort mitzuerleben. Der Aufruf erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Pohl warnt, dass bis 2025 weitere 500 Apotheken in Deutschland schließen könnten – ein dramatischer Rückgang, der sich in den vergangenen Jahren bereits deutlich beschleunigt hat. Kollegen unterstützen seine videobasierte Einladung breit, die die wachsende Krise des Sektors ins Rampenlicht rückt.
Pohls Frustration richtet sich gegen Jauchs Werbung für ausländische Online-Apotheken, die seiner Meinung nach das Netz der heimischen Apotheken untergraben. Er stellt infrage, ob Jauch die Folgen erkennt, wenn Dauerrezepte ins Ausland verlagert werden und vor Ort nur noch komplexe Fälle bleiben – etwa Versorgungsengpässe oder die intensive Beratung von Patienten.
Die Zahlen sind alarmierend: Zwischen 2013 und Ende 2025 schrumpfte die Zahl der Apotheken in Deutschland von 20.662 auf 16.601 – ein Verlust von 4.061 Standorten. Allein in den letzten 17 Monaten (von Juli 2024 bis Ende 2025) wurden 687 Apotheken geschlossen. Pohl macht dafür vor allem die Preispolitik, Erstattungsprobleme, übermäßige Bürokratie und den Fachkräftemangel verantwortlich.
Online-Apotheken verschärfen die Lage zusätzlich. Ihre Umsätze fließen an der deutschen Wirtschaft vorbei – ohne Steuervorteile, lokale Investitionen oder Infrastrukturförderung. Mit seiner Einladung an Jauch will Pohl zeigen, wie sich dieser Druck tagtäglich in seiner eigenen Apotheke auswirkt.
Die Zukunft des Sektors bleibt ungewiss: Bis 2025 werden 500 weitere Schließungen erwartet. Während einfache Rezepte zunehmend online abgewickelt werden, bleiben den stationären Apotheken nur noch aufwendige Aufgaben – bei gleichzeitig schrumpfenden Ressourcen. Pohls Appell für mehr Bewusstsein spiegelt die wachsende Sorge um das Überleben der Nachbarschaftsapotheken in Deutschland wider.






