23 May 2026, 18:17

Antifeministische Angriffe auf Gleichstellungsarbeit eskalieren bundesweit

"Ich bin ein einsamer Krieger"

Antifeministische Angriffe auf Gleichstellungsarbeit eskalieren bundesweit

Antifeminismus breitet sich in Deutschland über rechtsextreme Kreise hinaus aus – und richtet sich mit wachsender Aggressivität gegen die Gleichstellungsarbeit. Die Lage hat sich so zugespitzt, dass Behörden vor organisierten Angriffen auf Frauen- und queere Rechte im ganzen Land warnen. Zuletzt häufen sich Vorfälle wie Vandalismus, Drohungen und Budgetkürzungen, die sich gegen Gleichstellungsbeauftragte und öffentliche Kampagnen richten.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Ein sichtbares Symbol des Widerstands – die orangefarbenen Orange the World-Bänke der Vereinten Nationen – gerät zunehmend ins Visier. Die leuchtend orange gestrichenen Sitzgelegenheiten, die in Städten auf geschlechtsspezifische Gewalt aufmerksam machen sollen, werden an immer mehr Orten beschädigt. Gleichzeitig berichten Gleichstellungsbeauftragte von wachsender Feindseligkeit; viele sehen sich wegen ihrer Arbeit direkten Angriffen ausgesetzt.

Das Ausmaß antifeministischer Aktivitäten wurde 2024 deutlich, als die Meldestelle Antifeminismus 558 Vorfälle registrierte – im Schnitt zehn pro Woche. Die Berichte reichen von digitaler Hetze bis zu physischer Zerstörung; zu den jüngsten Zielen zählen Bänke in Osnabrück, Wiesbaden und Annweiler. Die Sitzmöglichkeiten sind Teil einer weltweiten UN-Kampagne und sollten eigentlich Gespräche über Gewaltprävention anregen. Stattdessen ziehen sie den Zorn von Gruppen auf sich, die sich gegen Gleichstellungsinitiativen stellen.

Doch nicht nur die Bänke stehen unter Beschuss: Auch Gleichstellungsbeauftragte geraten zunehmend unter Druck. Eine Umfrage ergab, dass 63 Prozent von ihnen antifeministische Angriffe auf ihre Arbeit erlebt haben – 40 Prozent sogar mehrfach innerhalb von nur zwei Jahren. Eine Beauftragte in Baden-Württemberg schilderte, wie rechtsextreme Aktivist:innen nach einem öffentlichen Statement vor ihrer Haustür auftauchten. Viele in diesen Positionen arbeiten allein in ihren Behörden und sind besonders verletzlich, wenn es an Rückhalt fehlt.

Das Problem beschränkt sich längst nicht mehr auf Einzelfälle. Durch Budgetkürzungen, offene Feindseligkeit in Sitzungen und gezielte Behinderung wird es für Beauftragte immer schwieriger, ihre Aufgaben zu erfüllen. Judith Rahner, Geschäftsführerin des Deutschen Frauenrats, betont, dass Antifeminismus längst keine Randerscheinung mehr ist, sondern die politische Mitte erreicht hat.

Als Reaktion präsentierte die Bundesarbeitsgemeinschaft Kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragter (BAG) auf ihrem Kongress in Lübeck einen neuen Leitfaden. Das Dokument zeigt Strategien für Kommunen auf, um antifeministischen Strömungen zu begegnen – von rechtlichem Schutz bis zu Aufklärungskampagnen. Angesichts der eskalierenden Angriffe geben Behörden jedoch zu, dass die Herausforderung drängender wird.

Die Zunahme antifeministischer Vorfälle hat Gleichstellungsbeauftragte in Alarmbereitschaft versetzt. Mit wachsendem Vandalismus, Drohungen und institutionellem Widerstand ist ihre Arbeit riskanter denn je. Der neue BAG-Leitfaden bietet zwar Instrumente, um gegenzusteuern – sein Erfolg hängt jedoch von anhaltender Unterstützung durch Kommunen und die Öffentlichkeit ab.

Vorerst bleiben die orangefarbenen Bänke sowohl ein Symbol der Solidarität als auch ein Ziel des Widerstands. Ihr Schicksal – und das derer, die für Gleichstellung kämpfen – wird zeigen, wie Deutschland auf diese wachsende Bewegung reagiert.

Quelle